Die AG "Lebensart auf der Titanic"

 

Mode aus der Zeit der Titanic

 

Diese Bilder zeigen, wie sich die gut betuchte Frau bzw. der reiche Mann von Welt zu Zeiten der Titanic kleidete. Die gezeigten Stücke wurden Kleidern dieser Zeit nachempfunden.

 
 
 
 

Meine „Titanic-Kleider“

von Stefanie Spieker

 

Kleid 1 – „Jack, ich fliege…“

Seit meinem Besuch der Titanic-Movie-Tour im Sommer 1999 und spätestens als wir unsere Titanic-Silversterparty planten, war klar, dass ich mir ein Kleid im Stil der Mode von 1912, bzw. nach dem Vorbild der Kleider in „Cameron’s Titanic“ herstellen werde.

Da schon beim Betrachten des Films war ich von dem dunkelblauen Samtkleid fasziniert, das „Rose“  bei der berühmten „Flugszene“ am Bug trug und später bei der Movie-Tour konnte ich mich kaum von der Vitrine, in der dieses Kleid zu sehen war losreißen.

So stand für mich fest, dass dieses Kleid  die Vorlage zu meinem „Titanic-Kleid“ sein würde. Ich wollte allerdings ein Abendkleid herstellen. Abendkleider hatten zu dieser Zeit immer kurze Ärmel, zu denen die Damen sehr lange Handschuhe trugen, die meist sogar über den Ellenbogen reichten.

Mein „Lieblingskleid“ hat – wie alle Tageskleider zu dieser Zeit - und in diesem Film (mal drauf’ achten!) allerdings lange Ärmel, bei diesem Kleid enden die Ärmel mit Satinmanschetten.

Da musste ich dann auch die erste Veränderung im Vergleich zum Original vornehmen, ohne die Ärmelform an sich – angeschnittene Ärmel (hier eine möglichst eng anliegende Variante des Fledermausärmels) - verändern zu müssen. Aber mein Kleid sollte natürlich kurze Ärmel haben.

Im Gegensatz zu vielen der anderen Abendkleider im Film, die aus sehr aufwendigen Spitzen-Stickerei, oder Lurexstoffen hergestellt waren, die natürlich sehr teuer sind, besteht das „Flugkleid“ aus Samt und Satin und auch mein zukünftiges Titanic-Kleid sollte aus Samt und Satin bestehen. Da ich bereits schwarzen Samt vorrätig hatte und es leichter ist, dazu passenden Satin für den Rock und Schuhe zu finden, sollte mein Kleid nicht nachtblau, sondern schwarz werden, so musste ich mich nur noch auf die Suche nach schönem weißem Stoff für die Korsage und geeignetem schwarzen Satin machen - für den Rock, die Schärpe und diese zwei besticken schmalen Bahnen links und rechts vom Ausschnitt – den Satinkragen des Originalkleids würde es an meinem Kleid nicht mehr geben.

Um möglichst einfach in mein Kleid „einsteigen“ zu können, entschloss ich mich, dass mein Kleid aus drei Teilen bestehen sollte: Oberteil, Korsage und Rock.

 
 
 
 

Mit einem speziellen CAD-Computer-Programm habe ich dann die Schnittmuster für die Korsage, das Oberteil und den Rock erstellt.

Das Oberteil hat – wie um 1912 in Mode - eine ganz leicht in Richtung Brustlinie verschobene Taillenlinie, die schon erwähnten kurzen, angeschnittenen Fledermausärmel, einen großen eckigen Ausschnitt unter dem später die weiße Korsage zu sehen ist, und vorne und hinten je ein angesetztes Schoß- bzw. Rockteil das in einem Halbkreis jeweils an den Seiten länger wird und „spitz“ ausläuft.

In der Seitennaht wird das Oberteil durch ein paar Häkchen geschlossen. Wie im „Originalkleid“, allerdings etwas vereinfacht, hat der Satinrock über dem eigentlichen Rock, der gut knöchellang ist, noch eine Art „Überrock“ mit einer diagonalen Raffung, die vorne und hinten vom Bund des Rocks gehalten wird.

Die unter dem Oberteil verborgene Corsage, die nur am großen rechteckigen Ausschnitt des Oberteils „herausblitzt“ hat einen einfachen Corsagenschnitt, die ich aus einem Stück weißen Spitzenstoff, der mit blickdichterem weißem Stoff unterlegt wurde, genäht habe. Das verstärkte „Innenleben“ der Corsage besteht aus Corsagenstäben aus Kunststoff, die in die tunnelförmigen Nähte geschoben werden.

Im Rücken wird die Corsage geschnürt.

Da sich meine Stickkünste eher in Grenzen halten, habe ich die zwei Bahnen links und rechts des Ausschnitts aus dem gleichen schwarzen Satin wie den Rock genäht und mit einem Rest schwarzer Lurex-Tüllspitze verstürzt, anstatt sie zu besticken.

Um die höher angesetzte Taille wird eine Schärpe, deren Enden bogig-spitz zulaufen, gebunden und im Rücken fixiert. Für diese Schärpe habe ich zwei Lagen von dem schwarzen Satin miteinander verstürzt.

Nachdem die wesentliche Näharbeit an dem Kleid getan war, blieben mir nur noch ein paar letzte Dekorationsarbeiten: Die Ärmelkanten erhielten als Abschluss eine schwarze Borte mit Pailletten.

Bei Cameron’s „Flugkleid hängen von den Enden der Schärpe und der Schoßteile des Oberteils mit Satin umwickelte Perlen, bei meinem Kleid habe ich ebenfalls an die Schärpen-Enden und die Schoßteile als Abschluss verschiedene Perlen unterschiedlicher Form und Größe genäht.

 
 
 
 

Kleid 2: - „Pretty in Pink“

Nachdem ich mich 1999 zum ersten Mal an ein Kleid im „Titanic-Stil“ von 1912 gewagt hatte und bei mehreren Gelegenheiten getragen hatte, bekam ich Lust noch mal ein solches Kleid in Angriff zu nehmen. Während das letzte Mal ein Kleid aus Cameron’s Titanic Pate gestanden hatte, gab es für mein neues Kleid kein konkretes Vorbild, vielmehr gab es mehrere Kleider, sowohl von Abbildungen aus Büchern über Bekleidungsgeschichte, als auch wiederum aus „Titanic“, an denen ich mich in bestimmten Details orientieren wollte.

Im Vergleich zu meinem Erstling sollte es einige Veränderungen geben: Das Kleid sollte eine helle, pastellige Farbe haben, es sollte, wie viele Kleider dieser Zeit eine kleine Schleppe haben, der damals moderne „Lagenlook“ und die empire-ähnlich höher angesetzte Taille sollten etwas deutlicher betont werden.

Für das Rockteil und den Überrrock des Kleids habe ich einen Fertigschnitt für ein Titanic-Kleid (das „Untergangskleid“) der Firma „Simplicity“ benutzt und folgende Änderungen vorgenommen: Um eine kurze Schleppe zu erhalten, habe ich das rückwärtige Rockteil etwa 10 cm verlängert, so das der Rock hinten länger ist als vorn, wobei ich an der rückwärtigen Mittelnaht etwas mehr Länge zugegeben habe, als an der Seitennaht, so das ein ganz leichter Bogen entsteht.

Bei dem Überrock des Kleids habe ich das rückwärtige Schnittteil des Rocks ebenfalls verlängert – in diesem Fall noch etwas länger als den Rock. Das vordere Schnittteil des Überrrocks habe ich in der vorderen Mitte auf etwa Kniehöhe gekürzt und zur Seitennaht hin länger werden lassen, so dass zum Schluss ein schöner Übergang von dem vorderen zum rückwärtigen Schnittteil entstanden ist.

Das Oberteil des Kleids habe ich selbst entwickelt, es besteht ebenfalls aus zwei Lagen. Die untere Lage, das eigentliche Oberteil, hat vorne uns im Rücken einen vertieften runden Ausschnitt und kurze angesetzte Ärmel. Die obere Lage des Oberteils ist etwas weiter und hat vorne und im Rücken einen von der erhöhten Taille ausgehenden V- Ausschnitt und angeschnittene kurze Fledermausärmel.

Im Gegensatz zu meinem ersten Kleid, für das ich dunkle und schwere Stoffe verarbeitet habe, habe ich für dieses zweite Kleid nun hellere und vor allem leichtere Stoffe ausgewählt: für den Rock und die untere Lage des Oberteils einen Viskoserips in einer Farbe, die man als „hell-altrosa-flieder“ bezeichnen könnte (daher ist die Überschrift „Pretty in Pink“ eigentlich nicht ganz korrekt  ;-) ), für die angesetzten Ärmel und einen Besatz unterhalb der Brustlinie auf dem Oberteil aus Rips und einem Einsatz im Ausschnitt, eine dünne schwarze Lurex-Tüllspitze und für die obere Lage des Oberteils, sowie für den Überrock, schwarzen Stretchtüll.

Der Besatz am Ripsoberteil, der Überrock und das das Oberteil als Tüll haben an den Kanten und Säumen schmales schwarzes Samtband als Abschluss.

Die Taille habe ich mit einem breiteren schwarzen Samtband betont, dort wo der V-Ausschnitt des Tüll-Oberteils und der in der Mitte geteilte Tüll-Oberrock an der Taille zusammentreffen, sitzt eine aus altrosé –changierendem  Organza  gefertigte Stoffrose, mit roséfarbigen Stabperlchen bestickt.

Auch die Einsätze im Ausschnitt aus dem rosé-changieren Organza und einem Rest der Lurex-Tüllspitze sind mit farblich passenden Perlchen bestickt.

An den vorderen Abschlusskanten des Tüll-Überrocks hängen auf beiden Seiten Perlchenanhänger aus verschiedenen roséfarbigen und schwarzen Glasperlen.

 

Empire-Kleid im „Titanic-Stil“ – Eine Improvisation

 von Natascha Mellin

 
Für die Teilnahme an der JHV musste dringend ein Titanic-Kleid her, aber woher nehmen? Eine Nähmaschine besaß ich, aber nicht allzu viel Kapital, deshalb beschloss ich, mir mein Kleid selbst zu nähen. Also ab ins nächste Stoffgeschäft. Dort fand ich nach längerer Suche einen Schnitt für ein Abendkleid, dass sich auch für Anfänger eignete und in etwa dem Empire-Stil der damaligen Zeit entsprach: Taille direkt unter der Brust, kleine Schleppe, schmal geschnitten, geschlossenes Dekolleté.
 
 
 
 
Der Rest war Improvisation: 2 Meter Organza und ein paar Meter Samtband in ca. 1 cm Breite. Dazu Druckknöpfe, ein Reißverschluss, dem Schnitt entsprechend festlicher Stoff und Nähgarn. Das Kleid nach dem Schnitt zu nähen – wenn man der Anleitung folgte – ging relativ zügig (ein klein wenig habe ich anfängergemäß gepfuscht). Das Ergebnis konnte sich aber doch sehen lassen. Dann war Kreativität gefragt: aus dem Organza habe ich einfach dem Brustumfang entsprechend ein Stück zugeschnitten, das kurz über dem Boden endete und am Rücken eine Falte eingenäht, damit der Stoff schön fiel. Dann wurde oben und unten mit dem Samtband gesäumt. Um den Einschnitt im Bereich des Reißverschlusses und das damit verbundene Säumen des Organzas zu vermeiden, wurden kurz unter der Brust auf dem Unterkleid Druckknöpfe angenäht und die entsprechenden Gegenknöpfe am oberen Ende des Organza-Überwurfs angenäht. So könnte das Kleid auch jederzeit noch in ein „normales“ Abendkleid umgewandelt werden. Aber Vorsicht beim Hinsetzen, Aufstehen, Treppengehen, etc.:  Druckknöpfe sind nicht allzu belastbar!
 
 
 
 
Nun musste noch etwas mit den Trägern des Kleides geschehen: zwei quadratisch zugeschnittene Organza-Stücke wurden diagonal etwas versetzt gefaltet, damit sie sich ein wenig überlappen, mit Samtband gesäumt und anschließend an die Träger und das Oberteil von Hand angenäht. Um das Ganze nun stilgerecht vorzuführen braucht man noch etwas Strassschmuck, um die Schultern eine Federboa oder einen langen Schal, einen Pompadour (einfach selbst zu nähen), vielleicht einen Fächer und unbedingt lange Abendhandschuhe.
 

Mode zu Zeiten der Titanic - Wie kleide ich mich im „Titanic-Stil“?

von Stefanie Spieker

 

Bezugsquellen: Spätestens seit dem Abflauen der Begeisterung für Cameron’s Titanic, aber auch weil Kleidungsstücke wie z.B. ein Frack selten nachgefragt werden, bleiben manchmal als mögliche Bezugsquellen zum einen das Internet/ebay aber auch Spezialläden für Braut und Abendmode, auf die ich im Verlauf des Textes immer mal wieder hinweisen werde.

Zur Inspiration  lohnt es sich, sich Cameron’s Titanic mal in besonderer Hinsicht auf die Kleidung und den kleinen Details drumherum anzusehen.

Damen, 1. Klasse:

Abendkleid: Hier gilt: „Die Lage ist ernst, aber nicht hoffnungslos!“ Das heißt, die Chance, im Handel ein Abendkleid im Titanic-Stil „von der Stange“ zu finden, ist seit dem Abebben des Titanic-Booms extrem selten, wenn überhaupt, vielleicht z.B. in einem Laden für Brautmode. Es gibt aber derzeit noch Anbieter im Internet. Das Atelier Verdande bietet das Kleid „Kate“ an:

www.atelier-verdande.de

(das schwarze Kleid ist unter „historische Gewänder“ unter der Rubrik. „20. Jahrhundert“ zu finden)

Die Firma „Reine de Centfeuilles“ www.mauritia.de stellt „historische Mode“ nach Kundenwünschen nach Maß auf Basis von historischen Vorlagen, z.B. einer Abbildung aus einem Buch, einem Foto etc. her.

Die Firma ist zwar mehr auf die Zeit vom Mittelalter bis zum frühen 19.Jahrhundert spezialisiert, aber auch hier kann man sich Kleidungsstücke im „Titanic-Stil“ auch eines der Filmkostüme, anfertigen lassen.  Preise nach Absprache. Für ein in  Schnitt und Ausführung „einfacheres“ Modell kann man mit einem Startpreis ab ca. 300 € rechnen. Je aufwendiger das Kleidungsstück in der Schnittführung und Verarbeitung (z.B. auch  Stickereien) ist, je höher wird naturgemäß auch der Preis angesetzt sein. In Hinsicht auf Anspruch, Qualität und Preis dürfte es sich hier wohl um den „Rolls Royce“ unter den hier angegebenen Möglichkeiten handeln.

Wenn man sich kein Kleid anfertigen lassen möchte und etwas Übung im Nähen hat, sollte man die Nähmaschine auszupacken und sich ein selber ein Kleid nähen. Allerdings werden die meisten der angebotenen Schnitte nur in englischer Sprache angeboten und  entsprechen bei einigen Anbietern auch den amerikanischen Größentabellen (auf Maßeinheiten yard/cm achten!)

Bei dem Internetshop „Kostümkram“ www.kostuemkram.de findet man unter der Warengruppe „Schnittmuster/historisch“ 1890er bis 1919 /Oberbekleidung (auf Seite 6 klicken) Nr. (LM104), ein Abend/Tageskleid von 1909-13 als variabler Mehrgrößenschnitt in englischer Sprache. Aus dem Schnitt lässt sich auch ein Tageskleid mit langen Ärmeln machen, da der Schnitt auch eine langärmlige Bluse mit Stehkragen enthält.

Wer sehr fit im Nähen ist und die „richtigen Maße“ hat, könnte sich auch an Nr. AP1362(107) wagen, ein Abendkleid von 1912. Es handelt sich hier um einen Originalschnitt nach einer alten Modezeitschrift und ist nur in einer einzigen Größe erhältlich (Brustumfang: 96cm / Taillenumfang: 64cm) Die Anleitung ist auf englisch. Nr. F265(106) ist der Mehrgrößenschnitt für ein „Edwardianisches Teekleid von 1912“ Schnitt und Anleitung sind ebenfalls in englischer Sprache.

Bei Nehelenia Patterns www.neheleniapatterns.de findet man unter Gründerzeit/Belle Epoque 1890-1915 Schnitt Nr. NP304, ein Ballkleid von 1913 basierend auf einem Originalschnitt aus Österreich. Es ist ein Eingrößenschnitt für die ungefähren Maße Brust 80 cm, Taille 70cm. Auch das Abend/Tageskleid LM 104 ist bei Nehelenia Patterns erhältlich.

Bei dem Internetshop Sensibility www.sensibility.com gibt es unter Choose Patterns> Titanic/Teens Era ein „1910 Tea Gown Pattern“ Es ist ein Mehrgrößenschnitt in englischer Sprache, der dem „Untergangskleid“ von Rose nachempfunden ist. Zu dem Kleid gibt es bei Sensibility eine Seite mit einem „Step by Step Fotonähkurs“ und einer Größentabelle (Yardage Chart). Bezahlen kann man mit paypal. Während des „Titanic-Booms“ gab es von Simplicity und Vogue auch Mehrgrößenfertigschnitte, die den Titanic-Filmkostümen nachempfunden waren, die inzwischen aber nicht mehr von den Herstellern angeboten werden. Bei ebay.com kann man diese Schnitte gelegentlich noch erhalten: unter Crafts>Sewing>Sewing Patterns>Costume Patterns – dann Titanic als Suchbegriff eingeben. Da bei den bei ebay angebotenen Fertigschnitten nicht immer Titanic „drin ist“, wo Titanic in der Beschreibung  steht, sollte man besonders nach den Schnitten Simplicity Nr. 8399 (die 2 Kleider entsprechen Rose’s „Untergangskleid“ und „Sprungkleid“) und Simplicity Nr. 8640 (entspricht Rose’s dunkelblauem „Flugkleid“ mit Jack am Bug) Ausschau halten. Bezahlen kann man die Auktionen in den USA besonders einfach mit Paypal. Näh-technisch weniger Geübte können auch aus einem Schnitt für ein „normales“ Abendkleid, ein Kleid im Titanic-Stil „zaubern“. Hierfür eignet sich z.B. der Burda Schnitt 8138 und der Schnitt 4733 von Butterick. Erhältlich z.B. www.butterick.com, oder Nathalies Nähkiste: (www.schnittmuster.net). Oben befindet sich die Beschreibung von Vereinsmitglied Natascha Mellin über ihr Kleid unter dem Titel: „Empire-Kleid im „Titanic-Stil“ – Eine Improvisation“

 
 

Tageskleid und Kostüm: Wer von den fast wagenradgroßen Hüten um 1912 begeistert ist, sollte es mal mit einem Tageskleid oder Kostüm probieren. Die Tageskleider haben lange oder ¾ lange Ärmel und einem „züchtig“ kleinen Ausschnitt bzw. sind hochgeschlossen. Die Jacken der Kostüme hatten einen Revers- oder Schalkragen, oft paspeliert oder in einer anderen Farbe oder Stoff optisch abgesetzt.  Ein Beispiel ist das Kostüm der „jungen Rose“ wenn sie in Southampton die Titanic betritt. Dazu passt eine hochgeschlossene feine Bluse, z.B. mit Stehkragen oder Hemdblusenkragen.  Die „junge Rose“ trägt als Schmuck eine Krawatte in der Farbe passend zu Hut und Kostüm. Aber auch eine schöne kleine Brosche/Anstecknadel, am oberen Knopf des Hemdblusenkragens oder mittig an der Ansatznaht eines Stehkragens ist sehr passend.

Bei Nehelenia Patterns findet man eine Kostümjacke und den dazu passenden Rock, die Rose’s „Boardingkostüm“ nachempfunden sind: Nr. W410 Titanicjacke 1910-1915 und W411 Titanicrock 1910-1915 auch Schnitt Nr. LM104 das Tages- oder Abendkleid 1909-1913 kann als Tageskleid gearbeitet werden. Bei „Kostümkram“ findet man unter „Schnittmuster/historisch“ 1890er bis 1919 /Oberbekleidung (auf/bis Seite 7 klicken) verschiedene Eingrößenschnitte (die angegebenen Maße entspr. ca. Gr. 34-38) nach historischen Vorbildern von 1912 in englischer Sprache (siehe Abendkleider). Es handelt sich um die Tageskleider: AP 1344, AP 1358, AP 1365, AP 1374. Kostüme: AP 1351, AP 1355, AP 1366, AP 1367, AP 1376.

Blusen: AP 1377, AP 1348, AP 1353, AP 1359 und zwei englische Mehrgrößenschnitte für Stehkragenblusen von 1910 Nr. PP 406 und Nr. PP 405.

Röcke: AP 1378, AP 1350, AP 1352, AP 1361. Achtung: Wenn man sich an einen dieser Schnitt wagt, besser erst mal ein Probekleid aus einem preiswerten Stoff nähen!

Von Butterick gibt es einen Mehrgrößenschnitt für Röcke von 1913/1914, Nr. B4092

In der Warengruppe Schnittmuster/Kopfbedeckungen > 1890er Jahre bis 1919 findet man zwei verschiedene englische Schnittmuster für edwardianische Damenhüte.

Da es mit dem Kleid allein ja noch nicht getan ist, hier ein paar Vorschläge für das „Drumherum“, das auch einen „nostalgischen Touch“ haben sollte.

 
 
Schuhe: Der modische Schuh um 1912 lief vorn schmal zu mit einer abgerundeten Spitze, hatte oft einen Spangenverschluss oder eine Schnürung (z.B. mit Satinband) und einen sog. Barockabsatz, der in dieser Saison Herbst/Winter 2007/08 übrigens gerade mal wieder in Mode kommt und somit als Pumps oder Stiefelchen ohne größere Schwierigkeiten zu bekommen sein sollte. In James Cameron’s Titanic trägt die junge Rose viele satinbezogene Schuhe, meist sogar farblich passend zu Kleid, dies war um 1912 durchaus nicht unüblich, aber damals wie heute ziemlich kostspielig – wer sich so etwas wünscht, sollte in einem Laden für Brautmoden nachfragen, am vielseitigsten sind sonst bestimmt ein paar Schuhe in der beschriebenen Form in schwarzem oder braunem Leder, es gibt auch bei manchen Schustern die Möglichkeit, sich bereits vorhandene geeignete Schuhe in der gewünschten Farbe einfärben zu lassen. Für das Tageskleid/Kostüm eignen sich auch Stiefelchen/Stiefeletten mit Barockabsatz.
 
 

Tasche: Für die „sieben Sachen“ die frau so an einem feierlichen Abend benötigt, empfiehlt sich ein Abendtäschchen. Geeignete Formen sind z.B. der „Pompadour“ oder ein Täschchen mit Bügelverschluss aus Stoff, oft z.B. mit Perlen bestickt, mit Kette. Einen Pompadour kann man sich auch gut aus einem Rest des Stoffes für das Titanic-Abendkleid herstellen.

Bei Nehelenia Patterns gibt es unter der Rubrik „Hüte und Accessoires“ einen Schnitt für 3 verschiedene Pompadourformen auf Basis von Originalen von 1910. Schnitt Nr. Nr. NP104

Wer lieber etwas kaufen will hat folgende Möglichkeiten:

Wenn es ein altes Stück sein soll, z.B. ein Pompadour aus Perlen, sollte man sich auf Trödel und Antikmärkten mit etwas hochwertigerem Angebot oder bei Ebay unter der Rubrik Antiquitäten & Kunst> Kleidung & Accessoires> Accessoires >Geldbörsen und Handtaschen umschauen.

Neue Täschchen findet man besonders leicht und in fast allen Preislagen in der Zeit vor Weihnachten/Silvester, wenn in den Kaufhäusern, Boutiquen und den Filialen der Modeketten die festliche Mode verstärkt angeboten wird. Auch zum Tageskleid/Kostüm passen Pompadourtaschen, sie sollten aber etwas „schlichter“ ausfallen.

 
 

Handschuhe: Da die Abendkleider relativ kurze Ärmel haben, trägt man dazu lange Handschuhe, die bis über den Ellenbogen reichen können. Um 1912 trug man oft sehr weiche cremefarbene/weiße Handschuhe aus ganz feinem Leder mit einer Verknöpfung am Handgelenk. Manchmal sind solche alten Handschuhe auch noch zu finden, z.B. auf einem Antikmarkt, aber oft sind sie extrem eng geschnitten. Eine gute Alternative sind neue, lange, elastische (Stretchmaterial) Abendhandschuhe, die man z.B. in schwarz und weiß/creme bekommt. Diese erhält man ebenfalls in Geschäften für festliche Mode und die passenden Accessoires,  oder den Spezialläden für Braut- und Abendmode.

Zum Tageskleid oder Kostüm trägt man kurze Handschuhe aus Leder oder Stoff bzw. auch feine gehäkelte Handschuhe, da diese Kleider bzw. Bluse und Kostümjacke ja langärmelig sind.

Sehr edel zum Abendkleid ist auch ein Fächer, besonders, wenn es ein Fächer aus Straußenfedern ist. Bei ebay: Antiquitäten & Kunst> Kleidung & Accessoires> Accessoires >Fächer

 
 

Schmuck: Es muss nicht der alte Familienschmuck sein, auch nicht Mutters’ Perlenkette. Wenn man kein schönes, etwas nostalgisches Stück (Kette/Collier) findet, tut es auch Modeschmuck, es sollte eher etwas verspielt und filigran aussehen und natürlich zum Kleid passen. Wer Ohrlöcher hat, sollte auch nach schönen Ohrgehängen schauen. Wenn es farblich zum Kleid passt und man sich in der Titanic-Film-Euphorie das „Herz des Ozeans“ gekauft hat, kann man das natürlich auch tragen.

Alten Schmuck findet man bei ebay unter Antiquitäten & Kunst>Antikschmuck>Schmuck nach Epochen>Jugendstil oder >Art Deco.

Wichtig: zum Abendkleid trägt man keinen Hut!! Die Haare wurden zur Abendgarderobe hochgesteckt, wer einigermaßen lange Haare hat, sollte versuchen dies zu tun.

Auch wenn es um 1912 noch weit verbreitet war ein Korsett zu tragen, ist das nicht nötig. Gut sitzende „normale“ Dessous, ggf. auch ein Push-up BH, tun es auch.

 

Herren, 1. Klasse:

Die Herren haben es mal wieder ein bisschen leichter, vorausgesetzt, sie haben das nötige „Kleingeld“ für einen Frack übrig, denn das ist das Kleidungsstück der Wahl für ein feines Dinner á la Titanic. Einen Frack (Neuware) bekommt man derzeit recht gut von einigen Anbietern bei ebay Frack bei ebay  und ebay express  (Frack als Suchbegriff eingeben) Das passende Frackhemd, Weste und Fliege bieten zwei der regelmäßigen gewerblichen Anbieter ebenfalls an. (siehe Artikelbezeichnung /Shop der Anbieter) Da ein Frack auch schon mal bei der Hochzeit getragen wird, bietet sich auch hier der Weg zum Brautmodeladen an, und aus dem gleichen Grund kann man auch Ausschau nach einem gebrauchten Frack halten, denn viele Brautpaare verkaufen ja nach der Hochzeit Kleid und Anzug/Frack - da lohnt sich vor allem ein Blick in die Kleinanzeigen. Natürlich kann man sich einen Frack leihen, z.B. bei einem Kostümverleih.

Als Begleitung zur Dame im Tageskleid/Kostüm  kann man als Herr entweder einen feinen figurnahen dunklen Anzug tragen, Hosen mit eher schmalem Bein, das Anzugsakko dazu sollte ein eher kurzes schmales Revers haben. Dazu trägt Mann Weste, eine eher schmale dunkle Krawatte und ein weißes Hemd. Alternativ wäre auch ein Gehrock mit Weste möglich (Mehrgrößenschnitt LM 109, bei Kostuemkram.de) dort findet man unter Schnittmuster > Herrenkleidung > alle Epochen auf den Seiten 2 und 3 auch eine Auswahl an Schnitten für Kragenformen (Vatermörderkragen etc.) zum Anstecken an ein kragenloses Hemd (LM107) und die passende Hose (LM106).

 
 

Uniform: Eine weitere Möglichkeit ist auch eine alte Uniform der Handelsmarine, vorausgesetzt es gelingt einem, eine solche zu ergattern. Auch hier sollte man einen Blick auf das Angebot von ebay werfen oder Läden für maritime Antiquitäten. Aber es ist natürlich reine Glücksache, ein solches Kleidungsstück in gutem Zustand und der ansatzweise passenden Größe zu finden. Eine Möglichkeit besteht evtl. darin, den Gehrock (Mehrgrößenschnitt LM 109, bei Kostuemkram.de) in einem feinen marineblauen Wollstoff zu nähen und mit der geeigneten Goldtresse  goldfarbigen Uniformknöpfen und ggf. Schulterklappen/Abzeichen auf Kapitänsuniform zu „trimmen“

Auch bei www.mauritia.de kann „Mann“ sich die richtige Garderobe auf den Leib schneidern lassen, Vorrausetzung ist, dass eine gute Vorlage (Foto etc.) vorgelegt wird, vor allem wenn es sich um eine nachempfundene Uniform der Handelsmarine bzw. Kapitänsuniform im Stil von 1912 handeln würde.

Zubehör: Was braucht der feine Herr sonst noch? Zum Frack gehören idealerweise schwarze Lackschuhe, man kann natürlich auch etwas elegantere schwarze klassische Halbschuhe tragen.

Ein besonderer Gag wäre dann noch ein „alter“ gut erhaltener Zylinder (Chapeau Claque), so etwas findet man ehesten in einem Antiquitätengeschäft, Antikmarkt oder auch gelegentlich bei ebay.

Zum Tagesanzug sind auch eine Taschenuhr und ein Bowlerhut schick, ein paar feine Lederhandschuhe vervollständigen das Erscheinungsbild.

 

Die „Mode der dritten Klasse“

Auch wenn die Mehrheit der Passagiere der dritten Klasse auf der Titanic nicht zu den ärmsten unter den Auswanderern gehörten, war ihre Kleidung doch deutlich bescheidener und natürlich auch nicht entsprechend der letzten Mode. Dazu kommt, dass sich an Bord viele verschiedene Nationalitäten befanden und das eine oder andere Kleidungsstück der jeweils heimischen Tracht entliehen gewesen sein könnte.

 
 

Wer sich z.B. für eine „Steerage Party“ einkleiden möchte, sollte sich nicht zu sehr in Kosten stürzen, sondern erstmal nachsehen, was der eigene Kleiderschrank oder der heimische Dachboden etc. zu bieten hat.  Bei der „Mode für eine dritte Klasse-Party“ hat man viele Möglichkeiten, auch bereits Vorhandenes zu nutzen - nur: Es sollte nicht zu „modern“ und „knallig“ aussehen! Um sich inspirieren zu lassen, einen Blick auf die Kleidung der entsprechenden Darsteller/Filmcharaktere im Titanic-Film werfen. Eine Quelle, um geeignete Kleidung zu finden, können Vintage-Secondhand Shops und Trödelläden, Flohmärkte etc, sein. Man kann sich aber auch hier natürlich gut etwas selber nähen. 

 

Frauen 3. Klasse:

Als „Basisgarderobe“ eignet sich ein langer (gut knöchellang) mäßig weiter Rock in einer dunklen Farbe, eine Bluse mit z.B. Stehkragen, Hemdblusen, oder auch Matrosenkragen und dazu eine dunkle kostümjacke oder Strickjacke und/oder Umschlag/Schultertuch (evtl. handgestrickt) alles in eher gedeckten Farben, die Bluse aber eher weiß/hell. Die Bluse und das Umschlagtuch dürfen auch einen Touch ins folkloristische haben. Geeignete Schnitte sind für Bluse und Rock und Jacke sind z.B. auch alle genannten Schnitte von „Kostümkram“ nach alten Vorbildern und der Schnitt für die Röcke von 1913 von Butterick. Auch die Mehrgrößenschnitte  1909 "Beatrix" Shirtwaist Pattern, 1909 "Beatrix" Skirt Pattern, Edwardian Walking Jacket Pattern und 1909 "Beatrix" Jacket Pattern von Sensibility.com (Rubrik Edwardian Era) sind geeignet. Die geeigneten Schuhe sind z.B. geschnürte Stiefelletten, oder Stiefel, evtl auch mit Barockabsatz. Die Schuhe sollten schwarz oder braun sein, aber auf jeden Fall einen gedeckten Farbton haben.

 

Männer 3. Klasse:

Hier kann man sich recht einfach an dem orientieren, was z.B. die Filmfiguren „Jack“ und „Fabrizio“, „Tommy Ryan“, in Cameron’s Titanic getragen haben: Cord und Stoffhosen in gedeckten Farben, evtl. Hosenträger (aber keine bunten, poppigen), etwas derbere Hemden mit Hemd, oder Stehkragen, das könnte z.B. auch ein nicht zu buntes Holzfällerhemd sein oder eines dieser norddeutschen Fischerhemden in blau mit dünnen weißen Streifen und Stehkragen, wenn man das noch zu Hause hat. Bei Nehelenia Patterns.de  und Kostuemkram.de gibt es einen vielseitigen  Mehrgrößenschnitt für ein Hemd aus der Zeit von 1845-1920, Nr. LM 107, ebenso für eine passende Hose Nr. LM 106.

Auch die Schuhe können etwas derber sein, dunkle derbere Schnür-Halbschuhe, wenn sie nicht zu modern aussehen, ggf. auch Arbeits/Sicherheitsschuhe oder Wanderschuhe. Wer will, kann auch ein Halstuch tragen und eine Schiebermütze oder eine ähnliche Kopfbedeckung.

 

Anmerkung: für die Hinweise und Tipps zu den Bezugsquellen gilt wie beim Lotto: Alle Angaben ohne Gewähr!