| Die Malerei AG |
Einige Tipps für Titanic-Künstler von Manuel Reiprich Es gibt natürlich viele Wege, die Titanic darzustellen, als flüchtiges Aquarellbild, als impressionistisches Motiv oder zum Beispiel als Karikatur. Die folgenden Zeilen beschäftigen sich mit der Frage, wie schwierig es ist, das Schiff möglichst realistisch darzustellen. Die Darstellung der untergehenden Titanic auf Papier ist eine zeitraubende Angelegenheit, wenn man sie möglichst korrekt und überzeugend darstellen will. Ich empfehle daher, als „Einsteiger“ ein „normales“ Bild zu zeichnen, also die Titanic bei voller Fahrt vor ihrem Untergang. Dafür eignen sich die wenigen Fotos der „Titanic“, aber auch die zahlreicheren Fotos des Schwesterschiffs „Olympic“ als Vorlage sehr gut. Man muss sie einfach per Durchschreibepapier auf den Malgrund übertragen und der Aufwand ist relativ gering. Untergangsbilder sind dagegen weitaus schwieriger zu zeichnen, da es dafür natürlich keine Fotos als Vorlage gibt. Manchmal dauerte bei mir die Vorkonzeption des Motivs, also die Konstruktion des Schiffskörpers aus einer bestimmten Perspektive, fast genauso lang wie die anschließende Arbeit mit dem Pinsel. |
![]() |
Warum ist das so schwierig? Heutige Ozeanliner sind meist sehr kastenförmig gebaut, ähnlich einem Neubau-Häuserblock. Die Form des Schiffskörpers der „Titanic“ dagegen war eine Mischung aus einem Segelschiffskörper mit horizontal gebogenem Deck und einem modernen Schiff, dessen Deck meist geradlinig horizontal verläuft. Dieses leicht gebogene Deck und die Schlankheit des Schiffes verliehen ihm eine schnittige Form, die Beobachter an eine Yacht erinnerte. Dieses „Yachtartige“ aber macht es schwierig, das Schiff zu zeichnen. Hinzu kommen noch die vielen Details auf dem Bootsdeck. Ich versuche, dieses Problem dadurch zu lösen, dass ich einfach ein authentisches Modell als Fotomotiv wähle, es aus der gewünschten Perspektive fotografiere und anschließend das bearbeitete Foto auf den Malgrund übertrage. Ganz wichtig ist dabei die Perspektive des Bildes. Ein Bild wirkt, an der Wand hängend, ganz anders als auf dem Tisch liegend. Deshalb ist es wichtig, bevor man mit dem Pinsel anfängt, zuerst das Konzeptbild aufrecht zu betrachten und erst mit dem Malen anzufangen, wenn man zufrieden mit dem Konzept ist. Spätere Korrekturen sind nicht mehr möglich. Zu beachten ist auch, dass die Horizontlinie das Bild in zwei Teile teilt, die etwa im Verhältnis ein Drittel/ zwei Drittel aufteilen (sogenannter „goldener Schnitt“). Diese Aufteilung ist wichtig, damit das Bild am Ende „schön“ wirkt. Genau dieses beschriebene Problem hatte ich nämlich mit meinem ersten Titanic – Bild, in das ich sehr viel Zeit investierte, das dann aber in der Perspektive ziemlich verschoben war. Das war besonders schade, da ich sehr viel Zeit und Mühe investiert hatte. Bevor man ein solches Projekt anfängt, sollte man daher genau klären, ob die gewählte Perspektive wirklich am Ende schön und elegant wirkt und die Mühe lohnt. Untergangsbilder sind auch deshalb viel schwerer, weil sie mehr Detailarbeit erfordern. Man muss ja nicht nur das Schiff zeichnen, sondern auch die Menschen, die Boote, das Licht in den Bullaugen, die Lichteffekte auf dem Bootsdeck usw. Die bekannten Darstellungen von Ken Marschall gehören sicher zu den schönsten und detailreichsten Titanic-Bildern. Jedoch muss dazu gesagt werden, dass sie nur selten wirklich authentisch sind. Die Untergangsnacht muss man sich nämlich weitaus dunkler vorstellen, als auf solchen Bildern gezeigt und auch das Schiff war wahrscheinlich nicht so hell erleuchtet, wie auf diesen Bildern gezeigt. Würde man den Untergang realistisch malen, so könnte man auf manchen Bildern sicher gar nichts mehr erkennen, da das Bild fast völlig dunkel wäre. Es ist also praktisch unvermeidlich, das Bild etwas künstlich aufzuhellen und somit die Historie zu verfälschen, denn stockdunkle Bilder würde sich sicher niemand gerne an die Wand hängen. Doch genau so dunkel ist es in jener Aprilnacht tatsächlich gewesen. |
![]() |
![]() |
| Ein Modell des Schiffes dient als perspektivische Vorlage. Anhand des Modellfotos wird eine Konstruktionsskizze angefertigt und diese per Durchschreibepapier auf ein Blatt Papier übertragen. |
![]() |
Eine
Bleistiftzeichnung ist vor allem bei
schwierigeren Motiven als Vorstudie
unerlässlich, um sich auszuprobieren und
Motivideen zu testen. Es ist bis heute unklar, wie der Bruch im
Einzelnen vor sich ging. Sicherlich lief er
nicht so ab, wie in Camerons "Titanic"
dargestellt, als einziger großer Riss durchs
Schiff. |
![]() |
Eine Farbskizze so wie diese ist bei jedem größeren Bild unerlässlich, um die Farbgesamtwirkung und damit vor allem die "Stimmung", die das Bild vermitteln soll, auszuloten. Diese hier zeigt das sinkende Schiff, dessen Lichter soeben erloschen sind und dessen schwarzer Rumpf sich immer noch deutlich vor der Sternensilhouette abhebt. Wahrscheinlich ist aber auch diese Darstellung immer noch zu hell geraten. Es ist unter Titanic-Fans umstritten, ob in der unmittelbaren Nähe der Titanic Eisberge zu sehen waren, so wie hier. Manche Titanic-Künstler sind bisweilen dafür kritisiert worden, Eisberge auf Untergangsbildern gemalt zu haben. Folgendes Zitat von Max Fröhlicher aber unterstützt diese These: "Während wir vom Dampfer
wegruderten, brannten seine Lichter noch |
![]() |