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Bildergalerie mit "Nomadic" - Schnappschüssen in Le Havre vom 11.11.2005 - aufgenommen von unserem französischen Vereinskollegen Thierry Dufournaud.

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Die Geschichte der Nomadic

 von Christian Wagner

 

Die Nomadic verdankt ihre Existenz der Überlegung der White Star Line ( WSL ), für ihre Schiffe der Olympic -Klasse zwei  Zubringerschiffe für Cherbourg  zu bauen und den veralteten Raddampfer Gallic zu ersetzen. Das Tenderschiff  Nomadic wurde zusammen mit seinem kleineren Schwesterschiff  Traffic auf der Werft Harland & Wolff in Belfast gebaut, der Hauswerft der WSL. Die Nomadic und die Traffic wurden am 22. Dezember 1910 auf Kiel gelegt, während nebenan schon kräftig an der Olympic und der Titanic gewerkelt wird. Die Titanic befindet sich noch im Bau, während bei der Olympic bereits der Innenausbau im Gange ist. Der Stapellauf der Nomadic erfolgte am 25. April 1911. Zwei Tage später, am 27. April 1911 erfolgte dann der Stapellauf der Traffic. Am 27. Mai 1911, rechtzeitig zur Jungfernfahrt der Olympic, wurde die Nomadic an die WSL übergeben. Am 31. Mai 1911 übernahm es die Nomadic, illustre Gäste wie J. Bruce Ismay, J.P. Morgan und Lord Pirrie zur Olympic zu bringen, die kurz zuvor vom Stapel gelaufen war.

3. Juni 1911: Die Nomadic und die Traffic werden im französischen Hafen Cherbourg stationiert, um langwierige An - und Ablegemanöver sowie Schlepperkosten zu sparen.

Am 13. November 1911 kollidierte die Philadelphia der American Line in Cherbourg mit der  Nomadic. Dabei wurde der Bug des Tenders beschädigt.

Am 10. April abends schlug die große Stunde der kleinen Nomadic: Sie brachte die Passagiere Erster und Zweiter Klasse und das Gepäck vom Hafen zu der auf der Reede liegenden, hell erleuchteten Titanic.

Darunter so berühmte Gäste wie John Jacob Astor, Benjamin Guggenheim und Molly Brown. Die Traffic brachte die Dritte-Klasse Passagiere und die Post. Insgesamt beförderten die beiden Tender 174 Personen zur Titanic: 42 Reisende der Ersten, 30 der zweiten und 102 der Dritten Klasse.

Ein Vergleich der beiden Tender :

                
    Nomadic Traffic  
  Baunummer: 422 433  
  Tonnage in BRT: 1273 675  
  Länge in m.: 67,27 53,52  
  Breite in m.: 11,31 10,70  
  Schrauben: 2 2  
  Geschwindigkeit: 12 Kn 12 Kn  
  Tragfähigkeit: 1000 Personen 500 Personen  
    nebst Gepäck nebst Gepäck  
         

Beide Schiffe wechselten im Laufe ihres bewegten Lebens mehrmals den Namen und den Eigner. Die Nomadic diente im ersten Weltkrieg als Marinetender für die Amerikaner. 1919 kehrte sie nach Cherbourg zurück. 1933 wechselte sie wiederum den Besitzer und wurde in " Ingenieur Minard " umbenannt. Im zweiten Weltkrieg wurde die Nomadic als Truppentransporter für die englische Marine genutzt. Die Traffic diente als deutsches Hilfskriegsschiff und hatte weniger Glück: Sie wurde am 17. Januar 1941 von einem britischen Torpedo im Ärmelkanal versenkt. 1945 ging die Nomadic  an die inzwischen fusionierte Cunard White Star Ltd. zurück und wurde wieder in Cherbourg eingesetzt. Die Nomadic brachte als  "Ingenieur Minard" in den fünfziger Jahren Passagiere zur Queen Mary und zur Queen Elizabeth.

1968 sollte sie verschrottet werden, wurde aber verkauft und in den Hafen Conflans-Sainte-Honorine in der Nähe von Paris geschleppt. 1973 wurden dort die Maschinen ausgebaut. Zwischen 1974 und 1977 erhielt die Nomadic eine Runderneuerung, bei der ihr wieder ihr ursprüngliches Aussehen als Tender für Luxuspassagiere zurückgegeben wird. Danach wurde sie wieder verkauft. Ihr neuer Besitzer Ivon Vincent, gab ihr ihren alten Namen Nomadic und brachte sie auf der Seine nach Paris hinein. Dort lag sie am Quai Debilly in der Nähe des Eiffelturms. Sie diente unter anderem als Kino und schwimmendes Restaurant. Bis zuletzt war außen am Schiff der Name des letzten Restaurants, dass die Nomadic beherbergt hatte und das den Bezug zu ihrer großen Schwester deutlich macht, angebracht: 
"Transbordeur du Titanic" .

 

Der Flyer des Restaurants (zum Vergrößern anklicken!)

 
 
 
 

Die Nomadic war in Paris auch als „ Le petit Titanic „ –  „die kleine Titanic „ bekannt. Im Frühjahr 1998 trafen sich auf der Nomadic etliche Überlebende des Titanic - Untergangs. Seitdem wurde an der Substanz des Schiffes nichts mehr getan und der Gesamteindruck verschlechterte sich rapide. Ihr Besitzer wollte sie für sage und schreibe 11 Mio. US – Dollar verkaufen, was angesichts des Zustandes des Schiffes ziemlich utopisch anmutete. Natürlich fand sich kein Käufer.

Im September 2002 konnte man rund um die Nomadic reges Treiben beobachten. Arbeiter waren damit beschäftigt, sämtliche Aufbauten zu entfernen und den restlichen Schiffsrumpf mit Teerpappe abzudichten. Grund der Übung war der bevorstehende Transport der Nomadic nach La Havre. Da sich mittlerweile enorme Liegeplatzgebühren und andere Kosten angehäuft hatten, zog das französische Kultusministerium die Notbremse. Es erklärte die Nomadic für ein Jahr zum „ historischen französischen Monument „ und ordnete eine genaue Untersuchung des Schiffes an. Danach wolle man entscheiden, wie das weitere Schicksal  des Tenders aussieht.

Schlechteste Lösung: Abwrackwerft !

Beste Lösung: Restaurierung des Schiffes in einen möglichst originalen Zustand und Installierung eines maritimen Museums.

Am 1. April  (kein Scherz !) 2003 verließ die Nomadic nach fast 30 Jahren ihren angestammten Liegeplatz am Quai Debilly, wendete auf der Seine  und machte sich mit Hilfe eines Heckschleppers auf den langen Weg zur Küste. Drei Tage später, am 4. April, erreichte die Nomadic Le Havre, wo sie im Trockendock einer eingehenden Untersuchung unterzogen wurde. Um endlich zu ihrem Geld zu kommen, ordnete die Stadt Paris die öffentliche Versteigerung der Nomadic an, die am 20.09. 2004 stattfinden sollte, auf Einspruch ihres Besitzers jedoch verschoben werden musste. Auch der Termin für eine zweite Versteigerung am 22.11. 2004 musste gestrichen werden. (siehe hier)

Alles zum aktuellen Zustand der Nomadic gibt's hier mehr.

Quellen: Titanic - Das Handbuch (Hess / Hessel); Titanic (Geoff Tibbals); Titanic - Triumph und Tragödie (Eaton / Haas)