Die Modell AG
 

"Queen Mary"


Hersteller: Revell
Maßstab: 1:570

 

Dieses Mal geht es um das Modell der legendären RMS Queen Mary vom Hersteller Revell. Dieser Bausatz im Maßstab 1:570 ist in zwei Versionen überall erhältlich: Einmal als Standard-Bausatz zum Preis von ca. 35,-DM (Bausatz-Nummer 05203), und zum Weiteren als „Geschenk-Set“ in repräsentativer Verpackung mit Zeichnungen, Bildern und Zusatzinformationen, vier Basis-Farben (Schwarz, Weiß, Rot und Braun), einen Pinsel und Klebstoff.

Um es gleich vorwegzunehmen: Dieses „Geschenk-Set“ sollte man wirklich auch nur zum Weiterverschenken erwerben, der Mehrpreis dieses Bausatzes für Verpackung und Farben lohnt sich in keinem Fall für den Kauf zum Eigenbau, zumal die beigelegten „Basis“-Farben nicht mit den in der Revell-Bauanleitung gemachten Farbvorschlägen übereinstimmen (das ist unverständlicherweise bei den beigefügten Farben aller „Geschenk-Sets“ von Revell der Fall, auch beim Set der Rms Titanic!). Um das Modell farblich einigermaßen authentisch zu gestalten, kommt man ohnehin nicht um den Kauf der richtigen Farben herum. Und Pinsel und Klebstoff gehören sowieso zu der Grundausstattung des Bastlers. Fazit: Auch wenn´s verlockend ist: Finger weg!

Im Navigator Nummer 3 vom November 2000 habe ich vom Bausatz der Rms Queen Elizabeth der Firma Airfix berichtet. Mit dem Revell-Bausatz der Rms Queen Mary hat man nun die Möglichkeit, die beiden Schwesterschiffe nebeneinander zu bauen, auch wenn der Maßstab nicht ganz identisch ist (1:570 zu 1:600) und damit beide Schiffe direkt zu vergleichen, was sehr interessant ist:

In einigen Punkten sieht die Queen Mary (nicht nur dem Alter nach) nämlich tatsächlich „älter“ aus:

In der Realität nur wenige Jahre älter als die Queen Elizabeth wirkt sie auf Grund des äußeren Grundkonzeptes optisch deutlich älter. Zwar hatten auch die englischen Schiffsbauer die von den Deutschen kreierten und in der Welt als revolutionär empfundenen klaren Linien der Schnelldampfer Bremen und Europa übernommen,  richtig umgesetzt wurden sie aber erst mit der Queen Elizabeth. Die Queen Mary wies immer noch recht verschachtelte Oberdecks auf, bestückt mit einer Vielzahl von Lüftern, nicht zu vergessen die riesigen Lüfterkästen seitlich der drei (!) Schornsteine.

Diese Unterschiede kommen auch bei den beiden Modellen gut rüber: Während die Queen Mary einfach nur die Würde einer alten Dame besitzt, besticht die Queen Elizabeth zusätzlich mit schlichter Eleganz. Diese Unterschiede werden auch noch dadurch unterstrichen, dass das Revell-Modell mit Decksrelings ausgestattet  (besonders die Oberdecks sind fein parzelliert) und der Schiffsrumpf strukturiert ist (Stahlplatten und Nieten sind angedeutet). Beides fehlt beim Airfix-Bausatz grundsätzlich.

 

Äußeres

Der Bausatz präsentiert sich mit einem von wenigen Jahren überarbeiteten Gemälde: Es zeigt die Queen Mary hell erleuchtet beim abendlichen Einlaufen vor der Kulisse New Yorks.  Leider hat auch dieses Bild nicht mehr die Qualität des alten Gemäldes (es zeigte die Queen Mary in abgeblendeter Beleuchtung ebenfalls vor der abendlichen Kulisse New Yorks. Jetzt wirkt das Schiff außerdem noch zu kurz und zu hoch.).  Offensichtlich sollen mit diesen einfacheren Bildern mehr jugendliche Käufer angesprochen werden, an fähigen Malern scheint es jedenfalls nicht zu liegen.

Auf der Verpackungsseite sind sechs Fotos des Modells abgedruckt, damit erhält der potentielle Käufer einen sehr guten Eindruck des Inhalts. Revell-typisch: Merkmale des Bausatzes, die Grundfarben und eine kurze Abhandlung der Geschichte der Queen mary sind abgedruckt.

Der Schwierigkeitsgrad wird mit „Skill 4“ (von fünf Stufen) angegeben. Was das für den Interessenten bedeutet, kann man der Verpackung nicht entnehmen, da muss man den Revell-Katalog zu Hilfe nehmen:

Zitat: „Niveau/Skill-Kategorien: (4) eignet sich für erfahrene Bastler zum Kleben und Bemalen mit bis zu 150 Teilen.“

Der Bausatz selbst wartet allerdings mit über 200 Teilen auf, was den Schwierigkeitsgrad aber offensichtlich nicht erhöht. Mit Hilfe der Fotos kann man den Grund für die Teileanzahl erkennen: Rettungsboote, Davits und eine Vielzahl von Lüftern müssen separat montiert werden, das ist sehr vorteilhaft!

 

Inhalt

Das verwendete Kunststoffmaterial ist weiß und in einem Klarsichtbeutel eingeschweißt. Und das ist auch gut so, da bei diesem Modell oft einige Teile von den Materialstegen abgebrochen sind und lose im Beutel herumfallen. Also Vorsicht nach dem Öffnen!

Der Rumpf ist zweiteilig und deutlich strukturiert: Rumpfbeplattung, Nieten, Bullaugen und Pforten sind aufgebracht. Revell-typisch mit Decksreling.

Große Teile (Bootsdeck und Oberdeck) waren bei einigen Baukästen verzogen. Das bedeutet sensible Vorarbeit (Korrektur der Teile), bzw. Schwierigkeiten bei der Montage (Verkleben unter Spannung)!

Leider etwas lieblos gestaltet ist die Montage der Bootsdavits: Hinter einer durchgängigen Reling werden sie auf das Bootsdeck geklebt und wirken daher „wie hingestellt“. Besser wäre es gewesen, diese Reling zu unterbrechen und die einzelnen Davits dazwischen zu montieren. Schade, dass dadurch der gute Eindruck des Arrangements Boote und Davits wieder zunichte gemacht wird.

Bei der Beurteilung der Teile insgesamt wird Revell dem Eindruck eines Massenherstellers gerecht: Viele Teile wirken nicht exakt gefertigt und weisen unterschiedlich stark ausgeprägte Gussgrate auf.

Ebenfalls lieblos gestaltet sind die vier Wellenhosen: Sie weisen keinerlei strömungsgünstige Formen auf, sondern bieten den Charme von Abwasserrohren, an dessen Enden die Schrauben angeklebt werden. Auch hier: Schade.

Die Bullaugen, sowie große Fenster (z.B. des Promenadendecks) sind gut herausgearbeitet und lassen sich daher recht einfach bemalen. Aber einige Fenster der Oberdeckaufbauten, der Brücke, bzw. der Brückenfront sind als Löcher, bzw. Schlitze ausgeführt. Das wirkt schlicht unschön und keinesfalls authentisch!

 

Die Bauanleitung

ist revell-typisch und trotz Überarbeitung schon etwas in die Jahre gekommen. Gut ist in jedem Fall, dass die Bauanleitung in einzelne Bauabschnitte unterteilt ist, und fast alle Teile mit Farbgebungshinweisen versehen sind. Insgesamt sind aber für den Bastler keine schlimmen „Fallstricke“ in der Bauanleitung verborgen.

 

Besondere Montagehinweise

Grundsätzlich alle Teile vor der Montage sorgfältig auf Passgenauigkeit prüfen. Sollte das Boots-, bzw. Oberdeck verzogen sein, die Teile in heißem (nicht kochendem!) Wasser erwärmen, bis der Kunststoff  sich verformen lässt. Verzogene Teile möglichst nicht unter Spannung verkleben (d.h. mit Gewalt einpassen).

Verschiede Fensteröffnungen (Oberdeck, Brückenfront u.ä.) sind als Löcher oder Schlitze ausgeführt.

Tipp: Nach der Montage zuspachteln und die Fenster mit grauer Farbe nachbilden.

Takelage wird in der Bauanleitung vorgeschlagen, empfehle ich aber für diesen Maßstab generell nicht.

 

Bemalung

Die Farbvorschläge der Firma Revell sind im Allgemeinen recht authentisch. Fenster sollten mit hellgrauer Farbe nachgebildet werden. Die genaue Farbtabelle findet sich auf der Bauanleitung (außen auf der Verpackung sind nur die Grundfarben  aufgelistet).

Weitere Farbgestaltung nach eigenem Ermessen und Recherchen natürlich machbar.

 

Abziehbilder

Beigefügt sind dem Bausatz die Schriftzüge und Tiefenlote, sowie eine Flaggentafel aus Papier (Flaggen zum Ausschneiden). Spielfeldmarkierungen fehlen leider.

 

Abschließende Bewertung

Aus der Entfernung betrachtet ein durchaus akzeptabler Bausatz. Schade in jedem Fall die lieblose Qualität der Teile. Insgesamt  wirkt das Modell der Rms Queen Mary disharmonisch, irgendwie unstimmig in den Gesamtproportionen „Länge“, „Breite“ und „Höhe“. Die Eleganz ihrer Schwester Queen Elizabeth fehlt völlig, und das nicht nur auf Grund einer anderen architektonischen Konzeption. Wer dennoch eine Sammlung von Atlantik-Linern aufbauen möchte oder die ganz einfach die Queens in der Sammlung nicht missen möchte, kommt natürlich um einen Kauf nicht herum.

 

Bewertungspunkte

Verpackung (Noten 1 bis 6): Note 3

Missglücktes und wenig ansprechendes Deckelbild. Wahrlich nicht „königlich“! Dabei hatte Revell bereits ein durchaus würdiges Bild gehabt. Dennoch positiv: Gute Farbfotos mit genügenden Informationen für den potentiellen Käufer.

Farbgebung (Note 1 bis 6): Note 2

Durchgängige Farbhinweise in der Bauanleitung in allen Baustufen. Auf das Hervorheben von Fenstern und Bullaugen mit grauer Farbe wird bei den Bemalungshinweisen nicht eingegangen, obwohl es bei dem auf der Verpackung abgebildeten Modell gemacht wurde (unlogisch).

Authenzität, Detailfülle (Note 1 bis 6): Note 4

Das Modell wirkt sehr detailliert, ja teilweise schon überladen. Das hängt in jedem Fall mit der feinen Reling-Parzellierung des Oberdecks zusammen. Schade auch die Ausführung des Rettungsbootarrangements und die als Löcher ausgeführten Fenster der Oberdecks. Mangelnde Realitätsnähe auch bei der Ausführung der Wellenhosen! So haben die garantiert nicht ausgesehen! Durch die nicht genauer zu spezifizierende Disharmonie des Gesamtmodells leidet die Authenzität insgesamt. Das Modell wirkt einfach toplastig. Trotz der Detailfülle ist mehr als ein „ausreichend“ daher nicht drin!

Fazit

Das Modell ist insgesamt nur bedingt empfehlenswert. Interessant ist es für diejenigen unter uns, die sich eine kleine Sammlung von Atlantik-Linern aufbauen wollen, oder einfach nur die technisch/optische Entwicklung der Liner (beginnend mit der Mauretania) im Modell darstellen wollen. Interessant natürlich auch der Vergleich der beiden Queens. Und abschließend ist auch der Preis interessant: 35,- DM für einen Bausatz in dieser Größe und Ausstattung ist nicht viel, Abstriche in der Qualität müssen aber hingenommen werden.