Die Modell AG
 

"France"

Hersteller: Airfix
Maßstab 1:600

 

Aus aktuellen Anlässen will ich euch in dieser Ausgabe des „Navigators“ nun den Bausatz eines klassischen Nordatlantik-Liners vorstellen, der wohl seinem endgültigen Ende entgegen sieht. Bleibt nur zu hoffen, dass die seinerzeit beim Bau verwendeten, giftigen Baustoffe das Abwracken so teuer macht, dass das Schiff doch irgendwie der Jetzt- und Nachwelt erhalten bleibt. Bis vor kurzem noch als Norway im Kreuzfahrtgeschäft, zwang sie eine finale Kesselexplosion an den Kai, als Blue Lady dümpelt sie hilflos in indischen Gewässern, nun ist sie wohl in den Händen eines indischen Eigners. Wir reden hier natürlich von der guten, alten France, die 1962 ihre Jungfernfahrt (nach einer ersten Kreuzfahrt von Le Havre zu den Kanarischen Inseln) antrat. Eigentlich war die France zu diesem Zeitpunkt schon ein verkehrstechnischer Dinosaurier, von Anfang an am Subventionstropf der französischen Regierung. Das Aus im Liniengeschäft kam dann auch recht bald, auch die Kreuzfahrten brachten nicht den erhofften Erfolg. Aber was wäre die Grand Nation ohne einen solchen Liner gewesen, schließlich hatten die Engländer noch ihre Queens im Rennen, die Amerikaner das Rennpferd United States.  Da konnte und wollte man wohl nicht zurückstehen.

Die France, ganz im Stil französischer Eleganz, in enger Anlehnung an die legendäre Normandie, von der die Silhouette, sowie viele Stilelemente übernommen wurden, wirkt in ihrer klassischen und kühlen Eleganz auch heute noch nach. Selbst die Umbauten und Verstümmelungen, die die France erdulden musste, um als Norway wieder in Fahrt zu kommen, konnten diese Eleganz nicht gänzlich vernichten. Hoffen wir also das Beste für diesen Klassiker.

Bereits im 1964 brachte „Airfix“ den französischen Liner, natürlich im Bauzustand der Jungfernfahrt, im Maßstab 1/600 auf den Markt, wo er unverändert über 20 Jahre erhältlich war. Seit längerer Zeit ist dieser Bausatz vom Handel verschwunden, lediglich auf Messen und Tauschbörsen kann man das „Airfix“-Modell noch ergattern, vereinzelt ist auch noch der „Glencoe“-Bausatz der France (Maßstab 1/450) erhältlich, sonst aber nichts. Prinzipiell ist es aber so, dass viele Hersteller ihre Bausätze nach einer gewissen Zeit vom Markt nehmen, um sie nach einigen Jahren wieder mit dem Zusatz „New!“ in den Handel zu bringen. Kann also gut sein, dass unsere France irgendwann wieder in den Regalen des Fachhandels zu finden sein wird.

Ich stelle euch nun den Bausatz vor, den ich vor über 20 Jahre gekauft habe, daher sind vor den Bewertungen einige Hinweise wichtig. Weder die Verpackung, noch die Bauanleitung sind auf dem aktuellen Stand, sie spiegeln tatsächlich den Urzustand von 1964 wieder, daher kann ich einige Bewertungskiterien nur eingeschränkt ansetzen und aus der Erfahrung heraus spekulieren, wie der Bausatz heute in den Handel käme. Erfahrungsgemäß bleiben die Bausätze selbst in der Regel unverändert, und dieser Aspekt interessiert uns ja letztendlich.

Äußeres

Klassischer „Airfix“-Karton, lang und schmal, der von den Dimensionen des Schiffsrumpfes bestimmt ist. Ein sehr ansprechendes Ölgemälde ziert den Kartondeckel. Es zeigt die France, hell erleuchtet, vor einer abendlichen (?) Hafenkulisse, viele Passagiere flanieren auf den Oberdecks. Ich zweifle allerdings daran, dass bei einer Neuausgabe dieses Bausatzes das Deckelbild überleben wird. Von der Maltechnik her entspricht es dem ursprünglichen Bild, welches den Bausatz der Queen Elizabeth zierte. Die Neuauflage brachte ein geändertes Bild für den Kunden, was ich, wie gesagt, auch für den Bausatz der France erwarte, wenn sie denn wieder auf den Markt kommt. Auf den Seiten den Kartons der France wird auf sechs weitere Schiffsmodelle dieses Herstellers verwiesen. Als einzig verwertbaren Hinweis für den Käufer findet sich eine Angabe über die nötigen Farben zur Fertigstellung des Bausatzes. Hinweise über die Modellgröße, Anzahl der Teile oder gar die Einschätzung des Schwierigkeitsgrades fehlen völlig. Bei einer Neuauflage gehe ich davon aus, dass sich an den Seiten des Kartons lediglich Hinweise über den Schwierigkeitsgrad, Anzahl der Teile, Größe des Models, sowie die benötigten Farben befinden werden. Da es einen solchen Karton aber nicht gibt, habe ich diesen Punkt aus der Bewertung heraus genommen.

Der Inhalt

Alle Bauteile sind, damals wie heute üblich, in einen Klarsichtbeutel eingeschweißt. Einige Bauteile waren von den Materialstegen abgebrochen, betroffen waren ausnahmslos die Davits. Das dürfte nicht nur am Alter meines Bausatzes gelegen haben, sondern eher daran, dass diese Teile keine allzu stabile Verbindung zu den Materialstegen haben. Daher dürfte dieses Problem auch bei neueren Bausätzen dieser Art auftreten. Bitte Vorsicht beim Öffnen des Klarsichtbeutels walten lassen, da sonst kleine Teile verloren gehen könnten. Für diesen Notfall, oder falls Teile bei der Montage irreparabel beschädigt werden sollten, bietet „Airfix“ einen „Flash-Service“ an, wo Teile nachbestellt werden können. Wer einen Uralt-Bausatz quasi aus einem „modellbautechnischen Antiquariat“ erworben hat, kann einen solchen Service natürlich nicht nutzen.

Bis auf ein Klarsichtteil (für die Kuppel des Hallenbades achtern) sind alle Bauteile aus weißem Kunststoff hergestellt. Bei diesem alten Bausatz hält man noch die alte, sprichwörtliche Qualität von „Airfix“ in den Händen. Keine Teile sind verzogen (nicht mal bei meinem alten Bausatz), kaum Spritzgrate sind vorhanden, so dass bei der Montage kaum nachgebessert werden muss. Kleine Teile passen genauso, wie die größten. „Airfix“-typisch ist der glatte, „sterile“ Rumpf, nur Luken und Bullaugen sind nachgebildet. Der Rumpf ist zweiteilig, und im Bereich der Promenadendecks sind die großen Fenster hervorragend strukturiert. Die Fenster lassen sich sehr gut farblich (z.B. mit grauer Farbe) vom weißen Anstrich absetzen. Mit Ausnahme der Brückenfront und der achterlichen Öffnung des Schwimmbades sind leider keine weiteren Fenster und Türen auf den Decksaufbauten angebracht. Dagegen ist das gesamte Rettungsbootarrangement  sehr gut realisiert. Die Davits werden je Rettungsboot separat montiert, die Boote selbst sind ohne Persenning nachgebildet, so dass die Sitzbänke in den Booten gut sichtbar sind. Auf die Nachbildung der jeglicher Reling wurde komplett verzichtet, bei Modellen dieses Maßstabes ist das aber kein Mangel.

Die Bauanleitung

Trotz ihres Alters gibt diese Bauanleitung keinen Grund zur Kritik. Die sieben Baustufen folgen dem logischen Aufbau bei der Montage eines Schiffes. Erst die Rumpfhälften, dann die einzelnen Decks von unten nach oben. Die Ruheposition der einzelnen Bauteile ist in jeder Baustufe klar ersichtlich, wo nötig sind kleine Detailzeichnungen eingefügt.  Da ich an dieser Stelle auch nur spekulieren kann, wie die Bauanleitung künftig aussehen wird (manchmal werden die alten Anleitungen übernommen, manchmal auch durch neue ersetzt), ist auch dieser Punkt aus der abschließenden Bewertung herausgenommen.

Besondere Montagehinweise

Das Modell folgt dem Original gemäß seiner klassischen und klaren Linienführung, ohne verschachtelte Decks. Auch fehlen die bei alten Linern üblichen Lüfter und allerlei Winden und Maschinen auf den Decks. Das Schiff lässt sich daher im Rohbau (ohne Schornsteine) mit nur 12 Teilen zusammenbauen. Daher erwarten den Modellbauer bei diesem Modell keinerlei Fallsticke. Unter der Voraussetzung, dass sauber gearbeitet wird, passen auch die größten Teile (Rumpfhälften und das Bootsdeck) völlig problemlos. Ein paar Klebestreifen zum Fixieren der großen Teile, bis der Klebstoff ausgehärtet ist, reichen völlig aus. Nachfeilen oder das Verspachteln von Lücken in Decks o.ä. sind nicht erforderlich. Aufpassen muss man nur beim Ablösen der großen Schriftzüge des Schiffes (zwischen den Schornsteinen sind auf jeder Seite die Schriftzüge der France angebracht, die beim Original nachts beleuchtet waren), die Buchstaben brechen sehr leicht.

Fazit dennoch: Dieses Modell ist auch für Anfänger sehr gut geeignet.

Farbgebung, Bemalung

Auch bei aktuellen „Airfix“-Modellen entspricht der Bemalungsplan dem alten Vorbild, hier wird an Firmentraditionen festgehalten. Ist die Montage abgeschlossen, folgt eine Darstellung des kompletten Modells in Seiten- und Deckansicht. Die Farbflächen sind verschieden schraffiert, was eine Zuordnung zu einer Farbtabelle zulässt. Der wenig erfahrene Modellbauer könnte verführt sein, das Modell unbemalt zu montieren und erst nach Abschluss aller Arbeiten mit den Lackierungen zu beginnen. Das könnte zu unliebsamen Überraschungen führen. Nicht nur aus diesem Grund ist die Bauanleitung in Bezug auf die Lackierhinweise grundsätzlich überarbeitungswürdig: Auch lassen sich mit dieser Darstellungsvariante keinerlei detaillierten Lackieranweisungen, wie z.B. für Poller, Lüfter und viele Kleinteile auf den Decks darstellen. Schade.

Über die empfohlene Bemalung des Modells hinaus sollte man sich die Mühe machen, die Fenster und Bullaugen farblich hervorzuheben. Hierfür ist das Modell bestens gerüstet: Bullaugen und die seitlichen Promenadenfenster sind für die Lackierung gut geeignet. Die Promenadenfenster verfügen sogar über Verstrebungen.

Tipp: Zunächst die Fenster mit grauer Farbe lackieren. Das Ganze gut trocknen lassen. Danach mit feinem Schmirgelpapier vorsichtig über die Fenster schleifen, so dass die graue Farbe von den Verstrebungen abschliffen und der weiße Untergrund des Kunststoffes wieder sichtbar wird. Mit einem trockenen und weichen Pinsel den Schleifstaub gründlich beseitigen. Danach die Bordwand weiß lackieren. Wir erhalten mit wenig Aufwand ein perfektes Promenadenfenster mit weißen Verstrebungen. Nicht vergessen, auch die Fenster der Brückfront zu lackieren.

Abziehbilder

Den Luxus des Heller-Bausatzes der Queen Mary 2 dürfen wir auch hier nicht erwarten. Beim France-Bausatz sind auch nur die nötigsten Abziehbilder beigefügt: Schriftzüge, Tiefenlote sowie ein paar Spielfeldmarkierungen müssen reichen. Auch bei einem neuen Bausatz dürfte hier nichts Zusätzliches zu erwarten sein. Schade. „Heller“ hat hier mit seiner QM-2 Maßstäbe gesetzt.

Verpackung (Noten 1 bis 6): Note: keine Bewertung

Der alte Karton besitzt ein sehr ansprechendes Ölgemälde der France. Vergleichbare Modelle dieses Herstellers in aktueller Aufmachung bieten dem Käufer nur grundlegende Produktinformationen, wie Größe des Modells, Anzahl der Teile, Nummern der benötigten Farben, sowie die Angabe eines Schwierigkeitsgrades, keine weiteren Informationen zum Modell selbst oder gar Fotos eines zusammengebauten Modells.

Bauteile (Noten 1 bis 6): Note: 2

Trotz des Alters meines Modells sind die Bauteile durchweg in guter Qualität. Große und kleine Teile passen einwandfrei ohne große Nachbesserungen. Keine Teile waren verzogen. Leider neigen insbesondere die Teile der Rettungsbootdavits sehr leicht zum Abbrechen (die Verbindung zwischen Bauteil und Materialsteg ist zu schwach), was die Gefahr des Verlusts in sich birgt. Daher beim Öffnen des Plastikbeutels vorsichtig sein. Sollte das Modell erneut auf dem Markt erscheinen, sind erfahrungsgemäß bei der Qualität des Kunststoffes Abstriche zu machen (siehe vergleichbare Bausätze von „Airfix“).

Authentizität, Detailfülle (Noten 1 bis 6): Note: 2-3

Sehr schönes Modell in harmonischer Gesamterscheinung. Sehr detailliertes Rettungsbootarrangement. Ebenfalls gut gelöst ist das verglaste Schwimmbaddach mit den großen, geöffneten Eingängen nach achtern. Ebenfalls gut strukturiert sind die Bordwände im Bereich der großen Promenaden und der Brückenfront. Leider fehlen sämtliche Fenster und Türen auf Aufbauten der Oberdecks, auch ist der Rumpf, wie bei „Airfix“ typisch, völlig unstrukturiert und wirkt auf den Betrachter irgendwie steril.

Abschließende Bewertung (Noten 1 bis 6): Note: 2

Wer auf Modellbaumessen und Tauschbörsen unterwegs ist, sollte die Augen nach diesem Bausatz offen halten. Ihr glaubt nicht, was ich auf der einen oder anderen Messe an Uralt-Bausätzen ergattert habe. Wer hierzu keine Gelegenheit hat, kann es bei „e-bay“ versuchen oder muss ganz einfach die Geduld aufbringen, zu warten, bis „Airfix“ die France wieder auf den Markt bringt. Das Jahr 2007 könnte klappen, wenn die ex France, ex Norway oder die Blue Lady dieses Jahr weiter in die Schlagzeilen kommt. Immerhin: die QE-2 von „Airfix“ ist nun schon das dritte Jahr im Sortiment, die Modellsortimentvorgänger (Mauretania, Canberra und Queen Elizabeth) schafften es jeweils nur ein Geschäftsjahr.

In jedem Fall wird mit diesem Modell die Sammlung klassischer Liner komplettiert, und das in schönster Tradition der Normandie. Wer sich traut, kann sich auch an einen Umbau zur Norway heranmachen. Der Bausatz ist strukturell sehr stabil ausgeführt und eignet sich gut für Umbaumaßnahmen.

Farbtabelle

Farbvorschläge „Humbrol“

Farbvorschläge „Revell“

Bemerkungen

14 Französischblau, glänzend

50 Lichtblau, glänzend

 

22 Weiß, glänzend

5 Weiß, matt

 

30 Dunkelgrün, matt

68 Dunkelgrün, matt

 

21 Schwarz, glänzend

8 Schwarz, matt

 

100 Ziegelrot, matt

37 Ziegelrot, matt

 

121 Licht beige, matt

89 Beige, matt

 

19 Postrot, glänzend

36 Karminrot, matt

 

55 Bronze

95 Bronze

 

 

85 Braun

Rettungsboote, innen

 

374 Grau, seidenmatt

Fenster

 

364 Laubgrün, seidenmatt

Positionslicht, sb

 

330 Feuerrot, seidenmatt

Positionslicht, bb

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Weitere Farben nach eigener Recherche.