| Die Modell AG |
"Queen Mary 2"
Es scheint nicht alles verloren und vergessen zu sein, wenn es um die Publikums- und Medienwirksamkeit neuer Liner geht. Es vergeht kein Jahr, in dem nicht irgendein riesiges Kreuzfahrtschiff eine Werft zur Probefahrt oder zur Jungfernreise verlässt, was in Zeitungsmeldungen oder Berichten im Fernsehen mitunter ausführliche Erwähnung findet. Aber ein neuer Liner in Verbindung mit dem traditionsreichen Namen Cunard, das erweckt das Interesse der breiten Öffentlichkeit. Das Thema der Goldenen Zeit der Ozeanriesen scheint immer noch irgendwie latent virulent sein. Der Bau und die ersten Fahrten der neuen Queen Mary 2 haben sich dann auch nachhaltig im Bereich der Modellbausätze durchgeschlagen. Im letzten Jahr erschienen Bausätze der Queen Mary 2 gleich bei drei Herstellern in zwei verschiedenen Maßstäben:
Anfang letzten Jahres erschien auf der Homepage von Revell (www.revell.de) eine große Ankündigung, ein Bausatz der Queen Mary 2 im Maßstab 1/600 herausbringen zu wollen. Auf der Nürnberger Spielwarenmesse trafen dann die Revell-Leute dann auf die Heller-Mannschaft, die an ähnlichen Plänen arbeiteten, die Queen Mary 2 im Maßstab 1/600 herauszubringen. Revell schaltete darauf schnell um, und begann einen Bausatz im Maßstab 1/400 zu entwickeln. Der Bausatz von Heller und Airfix scheint eine Kooperations-entwicklung zu sein. Ich hatte Gelegenheit, einen fertigen Bausatz von Airfix zu sehen, und was die Bausatzstruktur anbelangt, scheint die Urheberschaft die gleiche zu sein. Nur unsere Titanic ist bei Modellbausätzen häufiger vertreten, sie gibt es in cirka 10 verschiedenen Bausätzen, die Queen Elizabeth 2 in zwei, bei viel Glück kann man noch einen älteren, dritten und vierten Bausatz im Maßstab 1/450 ergattern (Hasegawa und Glencoe). Alle anderen Liner-Bausätze fristen ein mehr oder weniger singuläres Dasein. Ein fertiges Revell-Modell der Queen Mary 2 konnte ich Mitte April auf der „Intermodellbau“-Messe in Dortmund besichtigen, den Bausatz habe ich natürlich auch schon, habe aber einen Bau mangels Stellplatz zu Hause noch nicht beginnen können. Den kleineren Bausatz von Heller konnte ich aber fertig stellen, und von dem möchte ich Euch an dieser Stelle berichten. ÄußeresDas Heller-Modell (Bestellnummer 52902) überrascht mit einer recht großen Verpackung: Der Kasten verfügt immerhin über die Maße (Länge x Breit x Höhe) 59 x 35 x 12 cm. Die Oberseite ziert ein Computer animiertes Foto des Schiffes, welches die riesigen Dimensionen des Liners recht gut vermittelt. Die Seiten und der Unterboden des Kartons sind mit vielen Originalfotos, einem kleinen Auszug von Decksplänen, sowie eine farbige Zeichnung, die das Schiffsinnere zeigt, versehen. Weiterhin angegeben sind die Länge des Modells (57,5 cm), die Anzahl der Teile (239), sowie der Hinweis „Komplett mit Zubehör“. Klebstoff, 12 Farben sowie Pinsel sind enthalten. Fotos und weitere Hinweise, insbesondere zum Modell, sind leider nicht vorhanden, so dass der potenzielle Käufer keine direkten Informationen zum Bausatz erhält. Und wie sich Bausätze in Sachen Ausführung und Qualität unterscheiden, das habe ich ja in den verschiedenen Rezensionen deutlich gemacht. Im Handel ist der Bausatz für knapp 30,- Euro zu haben. Der InhaltDer recht stabile Karton wird aufgeklappt und in Klarsichtbeuteln verpackt befinden sich darin
Nach diesem ersten Eindruck scheint der für ein Modell in diesem Maßstab geforderte Preis durchaus gerechtfertigt. Ohne diese „Beigaben“ würde ich den Verkaufspreis auf höchstens gut 20,- Euro ansetzen. Die Bauteile machen insgesamt einen guten, präzisen Eindruck. Einige wenige Bauteile waren allerdings von den Materialstegen abgebrochen und fielen lose in den Beuteln herum. Daher ist beim Öffnen der zu geschweißten Beutel mit Vorsicht heran zugehen. Die Größe des Kartons wird übrigens von dem großen Abziehbilderbogen bestimmt, der fast die gesamte Grundfläche des Kartons einnimmt und nicht von den Dimensionen der größten Teile. Das bedeutet, dass die Bauteile im Karton nicht gegen das herum fallen gesichert sind. Auch hier hatte ich in den vergangenen Rezensionen immer wieder darauf hingewiesen, dass durch unsachgemäßes Lagern der Bausatzkartons sich Bauteile massiv verziehen können. Besonders anfällig sind Teile von Decks, Aufbauten und Masten. Bei dem Heller-Bausatz daher der dringende Rat, vor dem Kauf beim Fachhändler darauf zu achten, wie der Bausatz im Regal angeboten wird. Stehen die Kästen auf der Kartonseite, sollte der Inhalt auf verzogene Teile hin untersucht werden. Leider ist diese unsachgemäße Art der Lagerung, besonders bei großen Kästen, sehr weit verbreitet. Verzogene Teile bedeuten zwar nicht, dass diese Teile grundsätzlich unbrauchbar sind, stellen aber immer einen zusätzlichen Montageaufwand dar, der nicht immer das gewünschte Ergebnis bringt. Die Bauanleitung besteht aus einem richtigen Heft in DIN A4-Format, absolut sauber und professionell gearbeitet. Sie ist in acht Sprachen verfasst und stellt, für jede Sprache separat, auf einer kompletten Seite die Entwicklung und den Bau des Schiffes mit den wichtigsten, technischen Daten vor. Selbst auf Details der Designentwicklung wird recht ausführlich eingegangen. Eine Seite für grundsätzliche Montagetipps wird spendiert, ebenso eine vierseitige Darstellung der einzelnen Gussstege zum leichteren Auffinden der Teile. Bis auf eine Ausnahme ist die Bauanleitung gelungen. Sehr schönes Detail: in jeder Baustufe ist separat vermerkt, welche Farben in diesem Bauabschnitt benötigt werden. Leider wird auf den Gebrauch von „Clearfix“ nicht eingegangen (liegt dem Bausatz bei). „Clearfix“ ist ein gelartiger Klarlack, und mit einem geeigneten Werkzeug kann man z.B. Bullaugenöffnungen „verglasen“. Dieses Verfahren ist nicht jedem geläufig und soll hier bei diesem Bausatz angewendet werden. Hierfür ist ein nadelartiges, kleines Werkzeug beigefügt und außer einer kleinen Zeichnung, was hier wie gemacht werden soll, wird nicht näher darauf eingegangen. Ich selbst benutze dieses „Clearfix“ nicht, da bereits lackierte Teile sehr leicht durch diesen Lack verunreinigt werden können. Das bedeutet viel Nacharbeit. Aber alles in allem: bis auf kleine Schönheitsfehler eine fast vorbildliche Bauanleitung, wie man sie in dieser Modellklasse selten findet. Besondere Montagehinweise Der Rumpf ist einteilig aus schwarzem Kunststoff gefertigt und reicht hoch bis zum „Deck 4“ der QM-2. Die Rumpfseitenteile der Decks 5 und 6 sind in der kompletten Länge separat aufzukleben. Dieses Verfahren erleichtert sehr die Bemalung, da der Rumpf schwarz lackiert wird und die separaten Rumpfteile weiß, wobei diese Teile aus weißem Kunststoff gefertigt sind. Allerdings ist eine solche Modellstruktur extrem anfällig für Baufehler. Wird hier nicht exakt gearbeitet, misslingt das gesamte Modell. Um den beiden Rumpfteilen die richtige Ruheposition vorzugeben, werden zwei große Querschotts in den Rumpf geklebt, die recht hoch bis zum Deck 9 oder 10 reichen. Auch soll das Bootsdeckteil Nr. 07 (Deck 7) auf diesen Schotts ruhen. Im Schiffsrumpf sind für diese beiden Schotts je eine beiderseitige Gleitbahn für die horizontale Positionierung vorgesehen, aber es ist für den Modellbauer nicht erkennbar, in welcher Höhe (vertikale Positionierung) die Schotts eingebaut werden müssen. „Master“ ist diesem Fall das Bootsdeckteil, welches auf dem Schott und den beiden seitlichen Rumpfteilen ruhen soll. Die Bauanleitung sagt hierzu nichts Konkretes aus. Tipp: in der Baustufe 4 Zuerst die beiden Rumpfteile (Nr. 2 und 3) auf den Rumpf kleben. Anschließend sofort die beiden Schotts einbauen. Die kleinen Zapfen an den Schotts müssen an den entsprechenden Zapfen der beiden Rumpfteile 2 und 3 anliegen. Bevor der Klebstoff trocknet (keinesfalls Sekundenkleber benutzen!) das Deckteil 07 einpassen. Jetzt kann gegebenenfalls die vertikale Position der Schotts korrigiert werden. Das ganze Arrangement gut trocknen lassen. Recht kompliziert wird es auch in der Baustufe 8. Hier werden die beiden Teile, die die seitlichen Balkone der Kabinen realisieren (Decks 7 bis 12) mit den beiden äußeren vorderen, Queen-typischen Brückenstreben verklebt. Leider sind diese beiden Streben nach außen gebogen und müssen unter Spannung nach innen gezogen werden. Die Verbindung mit den Kabinenteilen (Nummern 5 und 6) und den äußeren Streben stellen zwei Plexiglaszylinder her, die beide Teile zusammenhalten sollen. Natürlich hatte ich alle Teile vor der Montage lackiert, was sich nun als großer Nachteil herausstellte. Selbst mit Sekundenkleber gelang mir eine stabile Verbindung erst im vierten Anlauf. Da diese Teile nun unter Spannung verklebt waren, hatte ich vor dieser Montage noch aus einem stabilen Materialsteg innen eine Verbindung zwischen den beiden Kabinenteilen hergestellt, damit sich diese Teile nicht im Nachhinein nach außen zogen. Tipp: Die vorderen Teile der Kabinenteile 4 und 5 erst nach der Montage lackieren, damit eine leichter herzustellende Klebverbindung erreicht wird. Ansonsten passen die Teile sehr gut. Selbst die kleinsten Zapfen von Bauteilen passen ohne Nacharbeit in die entsprechenden Bohrlöcher. Alle Bauteile sind von sehr guter Qualität. Heller verzichtet bei dem Modell dieses Maßstabes auf die Nachbildung der Reling. Dies ist keinesfalls ein Mangel und führt zu keiner Abwertung der Bausatzbewertung. Schade ist allerdings, dass die Verglasung der Fenster bei diesem Bausatz nicht konsequent durchgeführt wurde. Nur die rechteckigen Fenster im Rumpf werden verglast, alle anderen, besonders die Fenster im Frontaufbau bleiben offen. Schade. Ich empfehle, die Verglasung aus transparenter Folie selbst herzustellen. Die Mühe lohnt sich in jedem Fall. Farbgebung, Bemalung Beigefügt ist dem Bausatz die komplette Farbpalette, insgesamt zwölf verschiedene Töne in, ich weiß gar nicht mehr, zwanzig oder mehr kleinen Farbdöschen, sowie zwei Pinsel. Von den Farben müssen aber zwei selbst gemischt werden (Cunard-Rot und Cunard-Bundesgrau), was aber kein Problem darstellt. Tipp: In einer leeren Filmdose (die sich auch sicher verschließen lässt) mit Hilfe einer Einwegspritze zum genauen Dosieren (Skala in Milliliter) lassen sich die Farben zielsicher herstellen. Alle Lacke sind auf Wasserbasis hergestellt, was die Verwendung ein wenig kompliziert. Vorteile:
Nachteile:
Obwohl auch die Marktführer, wie Revell, nun auch Farbpaletten mit Wasserlacken anbieten, kann ich mich damit nicht anfreunden. Nach Fertigstellung des Modells konnte ich einen kompletten Pinselsatz entsorgen. Ich werde mich wieder mit den herkömmlichen Lacken beschäftigen, da für mich die Nachteile überwiegen. Noch ein Tipp zum sicheren Gebrauch der kleinen Farbtöpfchen: da sie sehr klein und leicht sind, kippen sie schnell um. In eine Wäscheklammer eingeklemmt bekommen sie einen sicheren Stand. Abziehbilder Absolut einmalig ist der Umfang der beigefügten Abziehbilder. Der Bogen der Abziehbilder bedeckt praktisch den kompletten Kartonboden. Es ist praktisch alles lückenlos vorhanden: · Alle Schriftzüge · Hellrote Rumpfbemalung mit der weißen Trennungslinie und allen dazugehörigen Rumpfmarkierungen · Fenster, Türen, Luken und Leitern sämtlicher, sichtbarer Decksaufbauten · Wasserflächen aller Pools · Grüne Spielfelder · Schwarze Schornsteinringe · Flaggen (deren Gebrauch ich aber nicht empfehle) Besonders die Nachbildung der Fenster und Türen machen das Modell unglaublich lebendig. Hier setzt Heller Maßstäbe! Vorbildlich. Abschließende Bewertung Mit diesem Modell ist es nun möglich, die komplette Queen-Klasse im Maßstab 1/600 zu bauen. Die Queen Mary ist praktisch ein Dauerbrenner bei Revell. Die Queen Elizabeth 2 ist zur Zeit bei Airfix im Angebot. Nur die Queen Elizabeth ist momentan bei Airfix nicht im Sortiment, ist aber vereinzelt zu finden. Ein direkter Vergleich dieser Schiffe lässt die gigantischen Ausmaße der Queen Mary 2 erahnen. Interessant ist auch die stilistische Entwicklung dieser Schiffsklasse. In vielen Punkten wurden stilistische Merkmale von der Queen Elizabeth 2 übernommen. Das Modell ist nicht in allen Punkten problemlos zu bauen, dennoch sind die Bauteile und die Ausstattung des Bausatzes bestechend. Der Bausatz ist gemessen am Preis- Leistungsverhältnis absolut empfehlenswert. Bewertungspunkte
Schön gemachte Verpackung mit vielen Fotos und einigen Decksplänen des Originals. Leider fehlen nutzbringende Informationen für den Käufer bezüglich des Bausatzes. Stabiler Karton.
Umfangreiche Farbpalette lässt keine Wünsche offen. Der Hersteller legt Wert auf eine umweltbewusste Strategie und liefert Farben auf Wasserbasis. Leider ist Gebrauch nicht ganz problemlos. Die Lackierhinweise sind vorbildlich in die Bauanleitung integriert.
An dieser Stelle sind fast keine Abstriche zu machen. Die Bauteile sind von sehr guter Qualität. Selbst kleinste Teile passen ohne Nacharbeiten. Lediglich die Tatsache, dass sich nicht alle Fensteröffnungen konsequent verglasen lassen, ist ein kleiner Wermutstropfen, was sich aber leicht korrigieren lässt. Heller liefert hier ein auch für diesen Maßstab wirklich professionelles Modell, was kaum Wünsche offen lässt. |