Die Besatzung

 
© Susanne Störmer
 
Auf dieser Seite werden die Offiziere der Titanic kurz vorgestellt.
Für ausführliche Biographien bitte jeweils den Link bei jeder Person anklicken.
 

Captain Edward John Smith

 
 
  • geboren am 27. Januar 1850 in Hanley (heute Teil von Stoke-on-Trent)

  • gestorben am 15. April 1912 beim Untergang der Titanic

  • Familienstand 1912: verheiratet, eine Tochter

  • Höchstes erreichtes Patent: Extra Master
 
 
 

E. J., wie er genannt wurde, arbeitete erst als Industriearbeiter, ehe er als Schiffsjunge zur See fuhr. Nachdem er alle seine Patente abgelegt hatte, heuerte er bei der White Star Line an, wo er sich über diverse Offiziersränge bis zum Kapitän hocharbeitete. Als er sein Extra Master Patent machte, fiel er im 1. Anlauf im Prüfungsteil "Navigation" durch. Beim zweiten Versuch bestand er. E. J. stand in dem Ruf des "Sturmkönigs", da er so gut wie nie die Geschwindigkeit aufgrund von Witterungsbedingungen reduzierte - eine Eigenschaft, die er auch auf der Titanic zur Schau stellte. Charles Herbert Lightoller erinnerte sich später in seiner Autobiographie an folgendes Detail von Smith' Navigationskünsten: "Eine besonders üble Ecke, die Süd-West-Landzunge, ließ uns jedes Mal voller Stolz erröten, wenn er [E. J. Smith] sie [das Schiff] mit voller Fahrt dort hindurchführte, die Entfernungen mit Augenmaß abschätzte und an jeder Seite nur wenige Zentimeter Platz zwischen Schiffswand und Sandbänken war." Smith war auch bei Besatzung und Passagieren sehr beliebt; dieser Status hat ihm nach der Titanic sicherlich viel Kritik erspart; während der Titanic-Überlebende Major Arthur Peuchen Smith mehr als "Gesellschaftskapitän" denn als Schiffsführer sah.

Schiffe der White Star Line, die von E. J. kommandiert wurden, waren:
Britannic I, Majestic, Baltic, Adriatic, Olympic, Titanic

Ein Denkmal, das an Kapitän Smith erinnert, befindet sich in Lichfield (England).

zur ausführlichen Biographie

Quellen:
Cooper, Gary, The Man Who Sank The Titanic?
The Life and Times of Captain Edward J. Smith, Stoke-on Trent, 1992, The Titanic Commutator

 

Chief Officer Henry Tingle Wilde

 
  • geboren am 21. September 1872 in Walton, Liverpool

  • gestorben am 15. April 1912 beim Untergang der Titanic

  • Familienstand 1912: Witwer, vier Kinder

  • Höchstes erreichtes Patent: Extra Master

  • Royal Naval Reserve Rang 1912: Lieutenant

Henry Tingle Wilde ist der unbekannte Offizier der Titanic. Erst am Ausreisetag gemustert und dadurch die Degradierung von zwei Kameraden sowie den Zwangsausstieg eines weiteren Offiziers verursachend, fühlte er sich nicht sonderlich wohl auf dem Schiff. Seine Aktionen während des Einbootens nach der Kollision bleiben merkwürdig blass, es gibt Filme und Bücher über die Titanic, die ohne Erwähnung dieses Offiziers auskommen.

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Quellen:
Rigby, Steve & Whitfield, Geoff,
Titanic Remembered in the North West, private Infos

 
1.Offizier William McMaster Murdoch
 
  • geboren am 28. Februar 1873 in Dalbeattie

  • gestorben am 15. April 1912 beim Untergang der Titanic

  • Familienstand 1912: verheiratet

  • Höchstes erreichtes Patent: Extra Master

  • Royal Naval Reserve Rang 1912: Lieutenant

William McMaster Murdoch war der Sprössling einer schottischen Seefahrerfamilie, die um die Jahrhundertwende herum zu einer der größeren britischen Seefahrerfamilien gehörte. Seine Laufbahn zur See begann er auf einem Segelschiff, und er blieb den Segelschiffen bis 1899 treu. Dann wechselte er zur White Star Line, wo er bis zu seinem Tod auf der Titanic als Wachoffizier diente. Er war Senior Offizier der Wache, als die Titanic den Eisberg streifte und damit verantwortlich für das späte Sichten des Eisbergs sowie das fehlgeschlagene Ausweichmanöver. Beim Einbooten war er offensichtlich der aktivste und effektivste Offizier; er hat, als sich mehr und mehr Leute fanden, die bereit waren, in die Boote zu gehen, die Boote bis zur vollen Kapazität beladen. Außerdem agierte er beim Einbooten nach der Regel: "Frauen und Kinder zuerst, und wenn dann noch Platz ist, können Männer diesen auffüllen." Ein Großteil der überlebenden Männer verdanken Ihr Leben Murdoch, der selbst sein Leben verlor.

Ein Denkmal am Rathaus von Dalbeattie erinnert an William McMaster Murdoch. Außerdem wird jährlich der Murdoch Memorial Prize für herausragende schulische Leistungen an der Dalbeattie High School, wo auch Murdoch zur Schule ging, verliehen.

zur ausführlichen Biographie

Quellen:
Rigby, Steve & Whitfield, Geoff,
Titanic Remembered in the North West, private Infos

 

2. Offizier Charles Herbert Lightoller

 
  • geboren am 30. März 1874 in Chorley (Lancashire)

  • gestorben am 8. Dezember 1952 in London

  • Familienstand 1912: verheiratet, zwei Kinder

  • Höchstes erreichtes Patent: Extra Master

  • Royal Naval Reserve Rang 1912: Sublieutenant


Charles Herbert Lightoller war der Sohn eines reichen Baumwollhändlers, wuchs allerdings nach dem Tod seiner Mutter und dem Verschwinden seines Vaters bei Verwandten auf. Im Alter von 13 Jahren begann er als Anwärter auf einem Segelschiff, und schon bei seiner zweiten Reise wurde er zum ersten Mal schiffbrüchig. Nach Ende seiner Anwärterzeit machte er eine weitere Fahrt unter Segeln und erlebte und überlebte dabei ein Feuer an Bord. Danach wechselte er zur Dampfschiffahrt und fuhr im Afrikadienst, wo er sich die Malaria einfing. Lightoller war ein Abenteurer und versuchte sich als Goldsucher in Alaska und schlug sich danach einige Zeit als Cowboy durch. Dann jedoch entschied er sich, sich ein weiteres Mal als Seemann zu versuchen. Nach einem kurzen Intermezzo bei einer anderen Reederei heuerte er bei der White Star Line an. Lightoller war der ranghöchste überlebende Offizier der Titanic und deswegen Hauptzeuge bei den nachfolgenden Untersuchungsausschüssen. Nach der Titanic-Katastrophe blieb er bei der White Star Line, überlebte den Untergang der Oceanic, übernahm bald danach (es war die Zeit des 1. Weltkriegs) das Kommando über ein Torpedoboot, wurde später als Navigator bei Marinefliegern (!) eingesetzt, ehe er das Kommando über den Zerstörer Falcon bekam. Dieses Schiff sank nach einer Kollision mit einem anderen Kriegsschiff, Lightoller überlebte auch diesen Untergang. Mit dem Zerstörer Gary rammte und versenkte Lightoller ein deutsches U-Boot. Nach dem 1. Weltkrieg blieb Lightoller noch einige Zeit bei der White Star Line, doch als er erkannte, daß er wegen der Titanic keinen großen Aufstieg mehr machen könnte, kündigte er und schlug sich mit diversen Berufen durch, u. a. züchtete er auch Hühner, bis er sich einen großen Traum erfüllte und eine eigene Werft gründete, die Richmond Slipways. Mit seinem privaten Boot Sundowner beteiligte er sich an der Evakuierungsaktion von Dünkirchen im 2. Weltkrieg und brachte sein unbewaffnetes Boot trotz Luftangriffen von deutschen Fliegern sicher und unbeschädigt zurück nach England.

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Quellen:
Stenson, Patrick, Lights - The Odyssey of C. H. Lightoller, London, 1984
(jetzt als erweiterte Neuauflage unter dem Titel: Titanic Voyager erschienen)

 
3. Offizier Herbert John Pitman
 
  • geboren am 20. November 1877 in Castle Carey, Somerset, England

  • gestorben am 3. Dezember 1961


1912 war Pitman seit fünf Jahren bei der White Star Line. Als einziger Offizier der Titanic gehörte Pitman nicht zur Royal Naval Reserve. Er erhielt das Kommando über Boot Nr. 5, das zweite Rettungsboot, das gefiert wurde. Auf dem Wasser angekommen, ließ Pitman von der sinkenden Titanic wegrudern und beobachtete dann aus einiger Entfernung den Untergang. Er unternahm keinen Versuch, die Boote zu sammeln. Nach dem Untergang wollte er zurückrudern lassen, um nach weiteren Überlebenden zu suchen, doch die Passagiere in seinem Boot meuterten, und Pitman befahl den Ruderern, die bereits wieder Anstrengungen unternahmen, zurückzurudern, die Ruder einzuziehen und sich treiben zu lassen. Vor dem amerikanischen Untersuchungsausschuß zwang Senator Smith den 3. Offizier im Kreuzverhör, möglichst genau das Gehörte und Erlebte zu beschreiben. Pitman erlitt einen Weinkrampf, und der Senator ließ gnädig diese Passage aus dem offiziellen Protokoll streichen.Aufgrund nachlassender Seekraft fuhr Pitman später als Zahlmeister zur See. Er war besonders bei den Frauen beliebt.

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Quellen:
Butler, D. A., Unsinkable, The Full Story of RMS Titanic, Mechanicsburg, 1998
Wade, Wyn Craig, Titanic - End of a Dream, London, 1986, private Informationen

 

4. Offizier Joseph Groves Boxhall

 
 
 
  • geboren am 24. März 1884 in Kingston-upon-Hull

  • gestorben am 25. April 1967

  • Höchstes erreichtes Patent: Extra Master

 
 

Boxhall hatte den Ruf eines ausgezeichnestes Navigators. Er hatte sogar ein Jahr lang Navigation an der Seefahrtshochschule in Liverpool studiert. Von Boxhall stammt die letzte Position der Titanic, wie sie in den Notrufen gefunkt wurde. Bis zu seinem Tod war Boxhall davon überzeugt, daß er sich nicht verrechnet hatte, jedoch hat die Fundstelle des Wracks bewiesen, daß seine Berechnungen fehlerhaft waren. Boxhall blieb bis zum Ende seiner aktiven Laufbahn bei der White Star Line und später Cunard White Star Ltd. Der höchste Rang, den er erreichte, war der eines Chief Officers. Auch für ihn bedeutete die Titanic das Ende aller Karrierechancen.

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Quellen:
Wade, Wyn Craig, Titanic - End of a Dream, London, 1986
Stenson, Patrick, Lights - The Odyssey of C. H. Lightoller, London, 1984

 

5. Offizier Harold Godfrey Lowe

 
  • geboren am 21. November 1882 in Coneay, Wales, England

  • gestorben am 12. Mai 1944 in Wales


Lowe war mit Sicherheit der unabhängigste, temperamentvollste und respektloseste Offizier auf der Titanic. Die Kollision verschlief er, wurde von Stimmen auf dem Bootsdeck geweckt, zog sich an und nahm sich seinen Revolver. Er half beim Abfieren diverser Boote, zählte allerdings auch den Präsidenten der Reederei, Joseph Bruce Ismay, aus, als dieser beim Fieren von Boot 5 sich zu sehr und zu aufgeregt in die Arbeit einmischte. Bei Boot 14 sagte Lowe zum 6. Offizier Moody, daß seines
Wissens kein Offizier mit einem der Boote 12, 14 und 16 von Bord geschickt werden, er (Lowe) sei aber der Meinung, daß einer gehen sollte. Da Moody es vorzog, an Bord zu bleiben, entschied Lowe, daß er selbst mit Boot 14 die Titanic verlassen würde. Auf dem Wasser sammelte Lowe einige andere Boote. Nach dem Untergang nahm Lowe eine Umbesetzung in den Booten vor, um sein eigenes, das mit 50 Personen ziemlich voll war, zu leeren und zur Untergangsstelle auf der Suche nach Überlebenden zurückzukehren. Bei der Umbesetzungsaktion fluchte und schimpfte Lowe, daß einige Passagiere dachten, er sei betrunken. Lowe sagte jedoch später unter Eid aus, daß er niemals Alkohol trank. Als Lowe umdrehte, war jedoch eine zu lange Zeit verstrichen, und Lowe konnte nur vier Personen retten, von denen eine noch in Boot 14 starb. Lowe hatte danach noch die Nerven, in der aufkommenden Brise zum Rettungsschiff Carpathia zu segeln. Bei den Untersuchungsausschüssen fiel Lowe durch eine flapsige Ausdrucksweise auf. Die Fahrt auf der Titanic sollte Lowes einziger Versuch einer Atlantiküberquerung bleiben, denn er wurde von der White Star Line nach der Titanic wieder im Australiendienst eingesetzt. Nach dem 1. Weltkrieg, den Lowe im Rang eines Fregattenkapitäns der Royal Naval Reserve beendete, zog er sich von der Seefahrt zurück und widmete sich in seiner Heimat Wales der Kommunalpolitik. Trotz angeschlagener Gesundheit stellte Lowe sein Wohnhaus während des 2. Weltkrieges als Sektionsposten zur Verfügung. Lowe starb ??? 1944.

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Quellen:
Wade, Wyn Craig, Titanic - End of a Dream, London, 1986

 

6. Offizier James Paul Moody

 
  • geboren am 21. August 1887 in Scarborough

  • gestorben am 15. April 1912 beim Untergang der Titanic

Moody war der jüngste nautische Offizier der Titanic und hatte als einer der beiden Junior-Offizier Wache auf der Brücke, als die Kollision mit dem Eisberg passierte. Vor dem Einbooten erhielt Moody den Auftrag, die Passagiere zu mustern, später half er aktiv beim Beladen und Fieren einiger Boote.

Ein Denkmal in der Church of St. Martin on the Hill, Scarborough, erinnert an James Paul Moody.

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Quellen:
Lord, Walter, A Night to Remember, London, 1988
Marcus, Geoffrey, The Maiden Voyage, New York, 1978