Besuch an Bord des Tenders, der Passagiere in Cherbourg auf die Titanic brachte
von GERTRUD SCHMIDT
Am Osterwochenende 2007 war es endlich so weit! Die Nomadic, das letzte noch wirklich existierende White-Star-Line-Schiff, sollte der Öffentlichkeit zur Besichtigung freigegeben werden! Jeder Titanic-, Nomadic- und White Star Line-Interessierte fieberte schon lange diesem historischen Augenblick entgegen.
Da lag sie nun - festgemacht am Quai in der Nähe des Odyssey in Belfast - mit der White Star Line-Flagge am Heck
Letzte Vorbereitungen:
Aber noch war es nicht ganz so weit. Am Tag vor der Eröffnung gab es für die freiwilligen Helfer der „Nomadic Preservation Society“ (NPS) noch alle Hände voll zu tun. Auch vom Ufer aus konnte man die hektische Betriebsamkeit an Bord, an Deck und am Ufer erleben.
Einige Helfer in gelben Öljacken führten oben an Deck z. B. noch letzte Sicherheitskontrollen durch. Etliche andere Arbeiten im Schiffinneren sowie der Aufbau von Vitrinen der Ausstellung und andere musste noch schnell vollendet werden.
Am Ufer lagen noch dicke Teppichrollen, die dann später von zwei Helfern geschultert und über die Gangway an Bord transportiert wurden - ebenso Kartons und Blumenkübel. Unwillkürlich hatte man Bilder von der Titanic beim Beladen in Southampton vor Augen, wenn auch im Kleinformat! Aufregend!
Später konnte man dann eine Arbeitstruppe beim Verlassen der Nomadic beobachten, vom „Vorarbeiter“ in Listen erfasst. Auch Rupert Keyzar, der technische Ingenieur der „Nomadic Preservation Society“, war noch mit der Kontrolle der am Ufer festgemachten Taue beschäftigt. Doch die mit ihm geführten Gespräche werde ich zum Schluss des Berichtes zusammenfassen.
Nomadic frei zur Besichtigung:
Schon eine Weile vor Eröffnungsbeginn bildeten sich am nächsten Tag lange Schlangen von Interessierten, die alle an diesem historischen Ereignis teilhaben und einen Blick in die Welt des fast 100jährigen Tenders werfen wollten. Es war wirklich Geschichte pur - Geschichte zum Anfassen und Erleben!
Wahrlich ein großer Tag für die Organisatoren des Belfast City Council, die freiwilligen Helfer , die NPS, die Stadt Belfast, die vielen interessierten Besucher und nicht zuletzt für die Nomadic selbst, die in den letzten Jahrzehnten ein sehr wechselhaftes Schicksal hatte und mehrfach kurz vor dem Verschrotten stand.
Wer hätte das gedacht, dass der im Mai 1911 fertiggestellte Tender für die 1. und 2. Klasse- Passagiere der „Olympischen Klasse“ der White Star Line in Cherbourg, Frankreich, je wieder in seine Heimat Belfast zurückkehren würde.
Rundgang an Bord
Nachdem man mit zittrigen Beinen die neu hergestellte Gangway betreten hat und ins Schiffsinnere gelangen will, wird man von einem „Offizier“ der „Nomadic Preservation Society“ (an den Ostertagen von Sir Roy Snowden) begrüßt. Noch
etwas atemlos vor Staunen bekommt man schon einen Flyer in die Hand gedrückt (Mitgliedsantrag der NPS zur Förderung der Nomadic).
Historisches der jetzigen Nomadic
Der erste Blick fällt auf die noch vollkommen intakte „Reception“ (Empfangstisch), vormals der 1. Klasse. Sodann begrüßt ein weiterer Helfer die Gäste an Bord und gibt Kleingruppen Sicherheitsanweisungen. Zu Beginn des Rundgangs über die Nomadic sehen wir ein Riesenmodell der Titanic verbunden mit einer Fahne von Harland & Wolff.
Man kommt aus dem Staunen nicht mehr heraus, wenn man die vielen Originalteile der 96jährigen Nomadic wiederfindet: die zauberhaften eisernen Art Déco- Gitterfenster bei der „Reception“, die zarten Stuckornamente (Rosen und Schleifen) der weißen Wandflächen hinter der langen Bankreihe, wunderschöne Schnitz- und Drechselarbeiten. Einiges ist bereits liebevoll gereinigt und restauriert, z.B. eine senkrechte, mit Blattgold überzogene Zierleiste, anders ist erst noch provisorisch hergerichtet.
Die frisch verlegten Teppichböden in Dekors der damaligen Zeit lassen das Interieur gleich viel gediegener aussehen. Man ist erstaunt, wie geräumig die Nomadic ist, das hätte man von außen nicht erwartet.
Immer noch eine Augenweide ist die lange Front der Lattenbank (nur noch eine auf der Steuerbordseite vorhanden) entlang der Außenwand sowie die beiden mittleren, kürzeren, gegeneinander gestellten Bänke in der Mitte.
Leider sind die Tische davor abhanden gekommen. John White, Mit-Initiator der „Nomadic Preservation Society“, gelang es, in einer Garage eines Hauses in Paris einen Originaltisch, mehrere gusseiserne Tischfüße sowie ein Paneel mit Ausschnitt für einen runden Spiegel aufzutreiben.
Wenn man den Blick durch diesen Teil der Nomadic schweifen lässt, mit seinen wunderschönen weißen, stuckverzierten Wänden und Original-Fenstern und man sich vielleicht sogar auf eine der Bänke setzt, kann man sich schon sehr gut die damalige Zeit der Titanic-Passagiere an Bord des Tenders Nomadic vorstellen. Vielleicht hatte hier einmal Guggenheim mit Mademoiselle Aubart (siehe Interview Seite 29) gesessen, Molly Brown ein Schwätzchen gehalten, oder waren hier die kleinen Navratil-Jungen herumgelaufen?
In dem überdachten Ausstiegsdeck der 1. Klasse befindet sich noch eine originale, gut erhaltene Deckenleuchte, wie es sie vom selben Bautyp auch auf der Titanic gab. Welchen Passagieren mag sie schon geleuchtet haben? - Ansonsten schien es sich kaum um Original- Beleuchtung zu handeln.
Wer hatte früher die ledernen Schwingtüren mit den runden Fenstern benutzt? Auch sie gab es noch zu sehen, ebenso wie eines der beiden, noch vollständig erhaltenen Bullaugen mit Deckel, auf dem sich der White-Star-Stern befindet. Das andere Bullauge befindet sich übrigens auf der Steuerbordseite noch immer in der Bordwand der Nomadic. Auch das Decken- und Wandgebälk im Gang zu den ehemaligen 1. Klasse-Toilettenanlagen war noch gut sichtbar. - Man könnte noch etliche Einzelheiten aufführen, die original erhalten sind oder die von mehreren Farbanstrichen erst z. T. befreit sind (z. B. Treppengeländer).
Obwohl ich an insgesamt drei aufeinander folgenden Tagen der Nomadic einen Besuch abstattete, habe ich sicherlich noch nicht alles erkunden können. Dazu werden noch genauere Studien von alten Plänen im Vergleich zur Jetzt- Situation notwendig sein
Touristisches
Natürlich ist Historisches nicht so leicht von Touristischem an Bord der Nomadic zu trennen. Die vielen Organisationen und freiwilligen Helfer haben unendlich viel gearbeitet und geleistet, um die Nomadic über die Osterfeiertage erstmals der Öffentlichkeit präsentieren zu können. Dabei war es schon extrem wichtig, das ehemalige historische Flair des Schiffes zu erhalten oder wiederherzustellen, damit es eine originale Ausstrahlung vermittelte.
Zum Wohl der Nomadic ist es aber auch sehr wichtig, Gelder hereinzuholen, die erst einen weiteren Ausbau ermöglichen. Also müssen touristische Angebote sein. - Der Eintritt für Erwachsene beträgt 5 (ca. 7,50 €), für Kinder 3 Pfund; Mitglieder der „Nomadic Preservation Society“ haben stets freien Eintritt. Es werden jedoch Spenden in der Spendenbox im Eingangsbereich gerne gesehen.
Auch die Ausstellungsvitrinen, die Auszüge aus der Original White Star Line-Sammlung von John White und David Scott-Beddard (von „White Star Memorabilia“) zur Schau stellen, vermitteln etwas von dem Glanz der großen Atlantikliner von WSL, insbesondere der Olympic. Edles Kristall, Geschirr aller drei Klassen an Bord und silbernes Tafelgeschirr spiegeln die Eleganz der White Star Liner im Original wider.
Ein originales Rundbogenfenster, eine hölzerne Treppenleiter, Kacheln.... der Olympic, Möbelbeschläge, Offiziers- und Stewartuniformen sowie eine große Anzahl von historischen WSL-, Nomadic- und Harland & Wolff-Postkarten und eine Sammlung von historischen Büchern unterstreichen die Authentizität.
Da durfte natürlich eine perfekt gedeckte Tafel für vier Personen mit komplettem Geschirr, Bestecken und Gläsern nicht fehlen - allerdings alles Reproduktionen. Auch ein paar Original- Kostüme aus dem James Cameron Film von 1997 waren dabei.
Damit man sich während einer ausführlichen Besichtigung stärken konnte, war - wenn auch noch etwas sehr provisorisch - ein kleines Café errichtet worden. Aber wir wissen ja, dass die vielen Helfer alles in recht kurzer Zeit bewerkstelligen mussten. Es wird sicher noch verschönert.
An einer langen, original aussehenden Theke aus verziertem, dunklem Holz (leider weiß ich nicht die frühere Funktion und das genaue Entstehungsjahr) war auf die Schnelle ein kleiner Shop errichtet worden. Außer ein paar Postkarten (Reprints), ein paar Artikeln zum Cameron-Film sowie einigen Memorabilia auch von anderen Reedereien war das Angebot noch sehr gering - was sich aber gewiss noch ändern wird, da man ja finanzielle Unterstützung für die Nomadic braucht. Auch durch kleine Stückchen Original-Paneel, die nach der Restaurierung nicht mehr benötigt werden, soll zusätzliches Geld für die Instandsetzung in die Kassen gespült werden.
Doch nachdem ich nun ausführlich den jetzigen Zustand der Nomadic beschrieben habe, wird es Zeit, einen historischen Exkurs in die bewegte Vergangenheit zu machen!
Rückblick:
Gewiss werden sich noch einige unserer Mitglieder an die August - Ausgabe 2000 erinnern, in der damals Berthold Sievert und Christian Wagner einiges zur Geschichte der Nomadic geschrieben hatten. Doch könnte es sicherlich nicht schaden, einige statistische und historische Daten aufzufrischen.
Statistisches:
Gebaut wurde die Nomadic innerhalb von nur fünf Monaten auf der Werft Harland & Wolff, Belfast, auf Slipway 3 (Dezember 1910- Mai 1911). Sie hatte die Baunummer 422 und sollte als Tenderschiff für die Passagiere der 1. und 2. Klasse eingesetzt werden, um zu den Linern der “Olympischen Klasse” zu gelangen. Für die Passagiere der 3. Klasse war die ebenfalls zum gleichen Zeitpunkt gebaute Traffic vorgesehen.
Der Tender Nomadic wies (und weist noch heute) eine Länge von 71,17 Metern und eine Breite von 11,30 Metern auf. Er konnte eine Geschwindigkeit von 12 Knoten erreichen. Die Kapazität war auf ca. 1.000 Passagiere plus Gepäck ausgelegt.
Am 10. April 1912, dem einzigen Zubringerdienst für die Titanic, waren jedoch nur 172 Passagiere an Bord der Nomadic, also etwa ein Fünftel der möglichen Gesamtkapazität. Ihre Tonnage betrug 1.273 BRT.
Die Nomadic hatte zwei Schrauben mit je drei Flügeln, die einen Durchmesser von 1,8 Meter aufwiesen.
Historisches:
Im Folgenden werde ich mich auf eine Art tabellarischer Kurzfassung der Geschichte der Nomadic beschränken, da es sonst zu umfangreich würde.
- 22. Dez.1910: Kiellegung der Nomadic auf Slipway Nr. 3 bei H & W
- 25. April 1911: Stapellauf
- 27. Mai 1911:Auslieferung an White Star Line
- 31. Mai 1911: Lord Pirrie und Bruce Ismay an Bord der Nomadic von Belfast nach Southampton zur Olympic; danach Nomadic und Traffic nach Cherbourg
- 14. Juni 1911: im Dienst der Olympic
- 10.April 1912: im Dienst der Titanic
- 25. April 1917: Truppentransporter für die US Navy bis Sommer 1919
- 2. Sept. 1919: im Dienst der Caronia
- 1928: Kollision mit der Orinoco (HAPAG)
- 1934: von französischer Reederei aus Cherbourg in Ingenieur Minard umbenannt
- 18. Juni 1940: Evakuierung von Soldaten und Arbeitern vor den Deutschen
- bis Juni 1945: Truppentransporter für die Britische Marine
- Juli 1945: Reparaturen in Cherbourg; zurück an Cunard White Star, dann dort im Dienst
- Mai 1952: Tender für Queen Mary
- 4. Nov. 1968: letzter Dienst für Queen Elizabeth, danach 1968: zum Verschrotten verkauft
- 1973 : Ausbau der Maschinen
- 1974: Umgestaltung des Tenders durch Roland Spinnewyn
- 1977: Umbenennung wieder in Nomadic
durch neuen Besitzer Yves Vincent, Einweihung und großer Empfang als Restaurantschiff mit Kino am Quai Debilly am Ufer der Seine, Paris, Name des Restaurants: „Le Colonial“
- 1997: Umbenennung des Restaurants in „Shogun“
- Juli 1998: neuer Name des Restaurants: „Transbordeur du Titanic“; private Empfänge, Modenschau etc.
- 1998: Treffen einiger Titanic-Überlebender an Bord (Louise Laroche, Millvina Dean)
- Nov. 1999: Ende der Zeit als Restaurantschiff
- 2000: Schließung des Restaurants und der Nomadic
- Feb.2000: Forderung des Besitzers: 10 Mill. Ffr. (ca. 750.000 €)
- Sept. 2002: Beginn der Abbauarbeiten (falsche Deckaufbauten und Schornstein); für ein Jahr unter französischem Denkmalschutz
- April 2003: Transport der Nomadic mit Hilfe eines Schubschiffes über Rouen nach Le Havre; dort Untersuchung im Trockendock
- Sept. 2004: geplante 1. Auktion (500.000 €); entfiel
- Sept. 2005: erneute Auktion- ohne Ergebnis
- 26. Jan.2006: Kauf durch brit. Regierung für Belfast (250.000,01 €)
- 17. Juli 2006: Ankunft der Nomadic in Belfast, Beginn der Restaurierungsarbeiten
- 22. Dez. 2006: Wechsel ins Barnett Dock
- 7.April 2007: Freigabe zur Besichtigung (Nähe Odyssey)
- Juni 2007: Fortsetzung der Reparaturen und Restauration
Passagiere 1912:
Am 10. April 1912 warteten gegen 17.30 Uhr 274 Passagiere auf die leicht verspätete Ankunft der Titanic in Cherbourg. Nachdem 22 Kanalreisende die Titanic verlassen hatten, wurden die 142 Personen der 1. Klasse und die 30 Passagiere der 2. Klasse mit dem Tender Nomadic an Bord der Titanic gebracht. 172 Passagiere an Bord der Nomadic , das war nur 1/5 der möglichen Kapazität.
122 Personen wurden mit der kleineren Traffic zur Titanic gebracht. - Es ist schon sehr tragisch, dass von den insgesamt 274 in Cherbourg zugestiegenen Gästen 115 nicht überlebten.
Natürlich waren einige berühmte Passagiere in Cherbourg an Bord der Titanic gegangen. An bekannten Persönlichkeiten wurden mit der Nomadic befördert: John Jacob Astor und Madeleine Astor, Benjamin Guggenheim und Mademoiselle Léontine Pauline Aubart (siehe Interview auf Seite 39 dieser Ausgabe), Margaret (Molly) Brown, Sir Cosmo und Lady Lucile Duff- Gordon, Dorothy Gibson, Norris Williams, Edith Rosenbaum, die Familien Ryerson, Thayer, Widener, Spedden, Laroche und Navratil.
Auch einige wenige deutsche Passagiere gingen in Cherbourg an Bord und benutzten die Nomadic als Tender: Alfred Nourney (Baron von Drachstedt), Emma Schabert geb. Mock, (der mitreisende Bruder Philip E. Mock war inzwischen US- Bürger) und Franz Pulbaum.
Der deutsche Titanicverein und die Nomadic :
In den Anfängen des Vereins (Ende der 90er Jahre) wurde noch nicht so häufig über die Nomadic gesprochen. Da galt sie noch als absoluter Geheimtipp für Insider. Malte Fiebing las als Gymnasiast von dem Restaurantschiff zu Füßen des Eiffelturms in Paris und suchte sie auf. Heiko Hesse scheint mir der erste aus den Reihen des TIC gewesen zu sein, der im November 1998 zusammen mit Stefan Braun der Nomadic in Paris einen Besuch abstattete. Sie hatten noch das große Glück, völlig ungestört einen Rundgang durch alle Räumlichkeiten an Bord machen zu können. (siehe „Navigator Nr. 1, 3. Jahrgang, Juni 1999!)
Wer jedoch das Thema „Nomadic“ so richtig ins Rollen brachte, weil er zufällig irgendwo von Bustouren nach Paris für 79,- DM gelesen hatte, war Berthold Sievert.
Er organisierte die 1. (und später auch die 2.) Fahrt der „Nord-Titanen“ zur Nomadic, und zwar zum historischen Datum 15. April 2000. Mit von der Partie waren außer ihm Christian Wagner, Stefan Kalkhoff, Elke und Rainer Klausmeyer, Susanne Krause und Nicole Dupont - und natürlich eine White Star Line-Flagge! (nachzulesen im „Navigator Nr.1 +2, 4. Jahrgang, Mai u. August 2000!)
Nachdem sie schon verbotenerweise auf die hölzerne Gangway aufgesprungen waren, um Fotos von der Nomadic zu machen, fuhr zufällig der damalige Besitzer Yves Vincent vor - wie Berthold Sievert berichtete. Dank Christian Wagners TIC-Ausweis öffnete Monsieur Vincent ihnen die Nomadic und führte sie freundlich durch die Räumlichkeiten. Schon damals war besonders das untere Deck in einem bedauerlichen Zustand.
Zurück aus Paris gründeten die „Nord-Titanen“ die „AG Nomadic“ innerhalb des TIC und riefen zur Erhaltung der Nomadic auf. Im Sommer 2001 entwarf Berthold Sievert den ersten „Rettet die Nomadic!“-Flyer, der auf eine Internet-Petition hinwies und Ausgangspunkt einer Unterschriftensammlung in Deutschland wurde. Ca. 400 Unterschriften konnten dem damaligen Vorsitzenden des französischen Titanicvereins, Monsieur Robert Shotton, übersandt werden. Vielleicht haben ja auch unsere Unterschriften einen kleinen Teil zur Verzögerung des drohenden Schicksals der Nomadic beigetragen.
An der für Februar 2002 wiederum von Berthold geplanten Fahrt zur Nomadic konnte dieser leider nicht teilnehmen, da er erkrankte. Die anderen Teilnehmer hatten wiederum Glück, dort von Yves Vincent aufgeschlossen zu bekommen und den Autor Fabrice Vanhoutte (Buch: „Le S/S Nomadic“ - 2004) zu treffen.
Im Mai 2002 zog es dann auch mich gemeinsam mit meiner Schwester an den Quai Debilly nach Paris. Leider konnte ich Yves Vincent nicht telefonisch erreichen, so dass ich nur Außenaufnahmen von der Nomadic machen und Fenster heranzoomen konnte. Der äußere Eindruck war aber schon ziemlich deprimierend. Doch war schon noch etwas von dem damaligen Flair des Tenders zu spüren. - Im Sommer 2002 machte auch Christian Kunze in seiner Titanic-Ausstellung in Dresden auf die drohende Gefahr für die Nomadic aufmerksam.
Das von Günter Bäbler am 1. April 2003 beim Abtransport der Nomadic vom Seineufer Richtung Le Havre gemachte Foto war denn auch auf der Titelseite des zweiten Flyers, den Berthold zusammen mit von mir aus Belfast mitgebrachten Informationen des „Belfast Industrial Heritage“ zur Nomadic und Fotos anderer „Nomadicer“ auf der Rückseite erstellte.
Immer mehr Mitglieder und andere erkannten die historische Bedeutung der Nomadic und trugen sich in Petitionslisten ein. Die von Kathleen Neill und später von John White und David Scott-Beddard propagierte „Save the Nomadic!“-Kampagne rief zu „pledges“ auf, angekündigte Spenden, die zu einem späteren Zeitpunkt eingelöst werden sollten. Auch das TIC stellte eine Spende in Aussicht und überwies auch den Betrag im November des vergangenen Jahres.
Einige Mitglieder des TIC sind bereits Mitglied der „Nomadic Preservation Society“ (Jahresbeitrag: 20 Pfund). Eine „Sache“, die sich wirklich lohnt, auch wegen des hervorragenden Journals „The Lone Star“ (siehe Rezension der ersten Ausgabe auf Seite 31). Und: die Nomadic hat noch ganz enorme Unterstützung bei der weiteren Restauration dringend nötig!
Nomadic-unterstützende Organisationen:
In den letzten Navigator-Ausgaben wurde ja schon mehrfach ausführlich über die „Save the Nomadic!“-Kampagne berichtet. Ohne die etwa im April 2003 von Kathleen Neill und ihren unermüdlichen Einsatz hätte die Nomadic vielleicht ein ganz anderes Ende gefunden. Dank ihrer Initiative konnten im Laufe der Jahre etliche Organisationen und Sponsoren zur Rettung der Nomadic gewonnen werden.
Wie Kathleen mir noch Ostern in der Belfast City Hall sagte, bot das Geschäft „Smyth Irish Linens“ in der Royal Avenue die erste finanzielle Unterstützung an. John White und David Scott-Beddard seien erst im Oktober 2005 richtig „eingestiegen“. Sie bat mich, Alan Shannon vom „Department for Social Development“ und Roy Snowden als unermüdliche Helfer für die Kampagne zu erwähnen. Für Kathleen ist es immer noch ein „absolute wonder“, dass die Nomadic für Belfast erworben werden konnte.
Unterstützende Organisationen u. ä., die es gemeinsam geschafft haben, sind: „Department for Social Development“, „Belfast City Council“, „Belfast Harbour Comissioners“, „Belfast Industrial Heritage“, „The World Ship Society“, „Titanic Heritage Trust,“ Harland & Wolff, „Lagan Boat Company“, „White Star Memories“ und dann natürlich der im September des vergangenen Jahres installierte „Nomadic Charity Trust“, dessen zehn Mitglieder (Consultants) die eingegangenen Spendengelder und weitere Finanzen koordinieren und verwalten.
Die im März 2006 gegründete „Nomadic Preservation Society“ (NPS) rekrutiert sich überwiegend aus Mitgliedern der ehemaligen Website www.savenomadic.com. Bereits im Sommer hatte die NPS 200 Mitglieder. Die NPS organisierte die erste „Titanic/Nomadic Convention“ in Belfast vom 6. - 8. April 2007 (siehe Artikel auf Seite 24) und nahm auch an „Titanic- Made in Belfast“ teil.
Im Vorstand der Nomadic Preservation Society sind:
- Sir Andrew Duff-Gordon und Gattin (Ehrenvorsitzende)
- John White (Operations Manager)
- David Scott-Beddard (Projects and Marketing Director)
- Sir Roy Snowden (Projects Manager)
- Mervyn Pritchard (Website Designer)
- Rupert Keyzar (Marine Engineering Consultant + Membership)
- Pete Lock (Treasurer)
- Philippe Delaunoy (European Co-ordinator)
Die Zukunft der Nomadic:
Wenn man die Nomadic im April 2007 gesehen hat, wird man dem zustimmen müssen, dass es sich bei dem Nomadic-Projekt um einen Fünf-Jahres-Plan handelt. Ziel ist die Wiederherstellung ihrer früheren Gestalt und Pracht bis ca. 2011, da man dann das 100jährige der Nomadic feierlich begehen will.
Wie das Schiffsinnere, die Decks usw. konkret gestaltet werden, hängt davon ab, ob die Nomadic wieder seetüchtig gemacht wird oder ob sie als Museumsschiff im geplanten „Titanic Quarter“ (mit Ausstellung, Cafeteria und Shop) ihren Standort hat. Die Pläne, zu einem „floating ship“ zurückzukehren, wären wegen technischer Probleme, extremer Kosten und erheblicher Veränderungen des Schiffsäußeren vermutlich nicht realisierbar (siehe auch letzter „Navigator“ Seite 49).
Wenn man einen genauen Rundgang auf der Nomadic macht, stellt man an sehr vielen Stellen fest, wo noch weitergearbeitet werden muss, z.B. an den Unterseiten der Treppenaufgänge, an den Stuckarbeiten, den Holzschnitzereien... Alleine die weißen Stuckarbeiten der Paneele hinter der langen Bankreihe zu restaurieren wird laut Scott-Beddard mindestens zwei Jahre dauern. Auf dem notdürftig mit Teerpappe verkleideten Deck wartet noch eine Unmenge an Arbeit, wie man von außen beim Zoomen erkennen konnte.
Es werden noch jede Menge freiwilliger Helfer gebraucht, egal ob Schweißer, Elektriker, Ingenieure, Möbelrestauratoren oder ungelernte Enthusiasten, die gerne am Wiederaufbau der Nomadic beteiligt sein wollen.
Etliche Einzelteile wie Fensterrahmen und Türen des ehemaligen Aufbaus, Wand- und Treppenverkleidungen, die in Frankreich aufgetrieben wurden (die von der Umwandlung der Nomadic 1974 - 77 stammen), müssen noch eingearbeitet werden. Einige bemerkenswerte Funde sind bisher noch nicht öffentlich zugänglich wie ein eisernes Schott im unteren Deck, der gesamte Heckbereich mit seinen Metallplatten und Nieten u.a. Wie „Projects Director“ David Scott-Beddard mitteilte, ist eine Art Periskop mit Beleuchtung geplant, so dass die Besucher einen Blick bis tief ins Schiffsinnere, zum Schott, werfen können.
Es sind inzwischen schon große Fortschritte in der Restaurierung der Nomadic gemacht worden, aber es gibt noch sehr viel zu tun in der nächsten Zukunft - bis 2011. Daher ist es sehr wichtig, den Wiederaufbau der Nomadic auch finanziell zu unterstützen, um die letzte echte Verbindung zur Titanic und der White Star Line- verkörpert in der Nomadic - zu erhalten!
Für weitere Informationen oder zwecks Mitgliederantrag siehe:
www.nomadicpreservationsociety.co.uk |