Der Untergang der Titanic als Gerichtsdrama

 

Wyn Craig Wade: Titanic. Das Ende eines Traums


Deutsche Übersetzung von “Titanic. End of a Dream”

1981 erschien in Deutschland ein bemerkenswertes Buch zum Thema “Titanic”. Die erste und letzte Fahrt der Titanic steht zwar im Fokus des Buches, allerdings überwiegend in Form der Aufarbeitung durch den amerikanischen Untersuchungsausschuss.

An Land wusste man durch Funksprüche der Titanic, dass diese in Seenot geraten war, doch das Schicksal blieb lange unklar – und als klar war, dass die Titanic gesunken war, war das Schicksal vieler prominenter Menschen an Bord lange unbekannt. An Land und besonders in den USA überschlugen sich die Spekulationen. Ein Senator aus Michigan, William Alden Smith, schaffte es in dieser Situation der Ungewissheit, vom amerikanischen Präsidenten, dessen Berater als Passagier an Bord der Titanic war, das Mandat zur Einsetzung eines Untersuchungsausschusses zum Untergang der Titanic zu erhalten. Dafür durften sogar britische Staatsbürger (Offiziere und Mannschaft der Titanic waren Briten und wichtige Zeugen) unter Strafandrohung vorgeladen werden.

Die Vernehmungen vom Untersuchungsausschuss selbst werden nicht nur in Dialogform wiedergegeben, sondern durch Details aus zeitgenössischen Medienberichten ergänzt. Auch Konflikte unter den Senatoren, die den Untersuchungsausschuss bildeten, werden in diesem Buch thematisiert. Der Schwerpunkt liegt allerdings auf Senator William Alden Smith, dessen Name untrennbar mit dem amerikanischen Untersuchungsausschuss verbunden ist. In Großbritannien wurde Smith wegen diesem Untersuchungsausschuss und besonders wegen seiner durchaus besonderen Fragetechnik heftigst attackiert und der Lächerlichkeit preis gegeben, doch Wade schafft es deutlich zu machen, was Smiths Motivation war und wie seine Fragetechnik ein Erfolgsmerkmal von ihm war.

Durch die teilweise Wiedergabe der Dialoge vor dem Ausschuss in Verbindung mit den ergänzenden Informationen und Senator Smith als zentraler Figur liest sich dieses Sachbuch sehr spannend. Außer Wade hat sich bisher niemand des Themas “Amerikanischer Untersuchungsausschuss” so detailliert angenommen. Vom britischen Untersuchungsausschuss existiert noch nicht mal ansatzweise so ein Werk.

Im deutschen Sprachraum hat es seit 1984 keine weitere Auflage von diesem absolut lesenswerten Buch mehr gegeben, so dass es aktuell nur noch antiquarisch erhältlich ist.

© 2016, Deutscher Titanic-Verein von 1997 e. V.