Britannic aus dem Titanic-Modellbausatz im Maßstab 1:350 von Minicraft

von Wolfgang Skudlarek (AG Modellbau)

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Nachdem ich im Teil 1 Bau der Olympic-Klasse den Modellbausatz RMS Titanic, Minicraft 1/350 besprochen und im Teil 2 (Navigator 1 und 2 Mai/August 2000) den Bau der Olympic geschildert habe, kommen wir nun zum krönenden Abschluss, den Bau der RMS Britannic.

Diese Ausgabe „Aus der Schiffszimmerei“ wird nun wieder von der gewohnten Form abweichen, da wir uns ja keinen fertigen Modellbausatz ansehen wollen und können, sondern wir werden uns damit beschäftigen, mit welchen Mitteln wir aus diesem Minicraft-Bausatz die letzte Schwester der Titanic bauen können. Darüber hinaus werde ich auch auf einige wichtige Rahmenbedingungen eingehen, die mit diesem Bau einhergegangen sind.

Prinzipiell steht jeder vor der Entscheidung, welche Britannic nun gebaut werden soll. Die zivile Liner-Version, die so nie in Fahrt kam, oder die HMHS Britannic, das Lazarettschiff, so wie sie unterging. Ich entschied mit relativ rasch für die zivile RMS Britannic im geplanten Auslieferungszustand für die Jungfernfahrt (die Olympic und Titanic habe ich ebenfalls im Bauzustand Jungfernfahrt nachgebaut). Somit lässt sich an Hand dieser drei Modelle die Entwicklung der Olympic-Klasse wunderbar erkennen.

Da es die RMS Britannic in diesem Zustand nicht gab, kann das Modell allerdings nur als konzeptionelles „Werftmodell“ fungieren, d.h. es stellt einen geplanten Auslieferungszustand dar. Wie die RMS Britannic in Friedenszeiten tatsächlich fertiggestellt worden wäre, darüber kann nur spekuliert werden (und wie die RMS Britannic ausgesehen hätte, wenn die Titanic nicht untergegangen wäre, ja, dann wird es noch komplizierter).

Einleitung zur RMS Britannic

Der Untergang der Titanic hatte für die Olympic-Klasse einschneidende Konsequenzen zur Folge. Zunächst wurde auf der nun allein verbliebenen Olympic das Rettungsbootproblem gelöst, in dem die Lücke auf dem Bootsdeck mittschiffs geschlossen wurde. Mit dieser äußerlichen Änderung ihrer Silhouette war die Olympic nach meinem Empfinden in ihrem ästhetischen Gesamterscheinungsbild nun nicht mehr zu übertreffen: geschlossene Rettungsbootreihe, komplett einheitlich offene A-Deckpromenade, einheitliche Fensterreihe des B-Decks.  Die Silhouette der Titanic hingegen wurde bereits nach der knapp einjährigen Dienstzeit der Olympic durch diverse Änderungen gestört: Der vordere Teil der A-Deckpromenade wurde mit Fenstern verschlossen (die ein wenig zu klein geraten waren). Die B-Deckpromenade wurde durch Luxus-Suiten ersetzt, äußerlich sichtbar durch eine unregelmäßige Fensterreihe.

Mit dem Bau der RMS Britannic wurde es nun noch komplizierter. Zunächst war das Rettungsbootproblem zu lösen. Das Rettungsbootarrangement der Olympic wurde zeitlebens kritisiert, da ausgerechnet die erste Klasse nun keinen direkten Blick mehr vom Bootsdeck zum Meer hatte. Die zweite Klasse konnte wenigsten nach achtern die See bewundern, während die dritte Klasse keinerlei Beschränkungen erdulden musste. Die Erbauer der Britannic übernahmen nun Konstruktionsmerkmale von Kriegsschiffen und Frachtern. Entscheidende Erkenntnis: Nicht jedes Boot muss auch über eine eigene Krananlage zum Fieren verfügen, sondern ein wie auch immer zentral postierter Kran oder Kräne sollte mehrere Boote fieren können. Dies gipfelte in einem in der Welt der Passagierschiffe einmaligen Rettungsbootarrangement: Die Rettungsboote wurden auf dem Bootsdeck quer über die gesamte Schiffsbreite an insgesamt drei Stationen auf speziellen Gestellen gestapelt. Jede Station erhielt zwei Paar riesiger, elektrisch betriebener Kräne (jeweils ein Paar an der Steuerbord- und Backbordseite), die die Boote von ihren Gestellplätzen abheben und fieren sollten. Die dritte Klasse erhielt ebenfalls auf dem komplett neu gestalteten Poop-Deck eine eigene Rettungsbootstation mit insgesamt 14 Booten. Klarer Gewinner wäre nun der Bootsdeckbereich der ersten Klasse geworden, wo nun gar keine Boote mehr den  Meeresblick verstellen würden. Verlierer hingegen wäre die zweite Klasse gewesen, in deren Bereich zwei Bootsstationen fast den gesamten Bootsdeckbereich eingenommen hätten. Nicht einmal mehr das Dach des darunter liegenden Rauchsalons wäre nutzbar gewesen. Nachdem man nun das Rettungsbootproblem gelöst hatte (die Britannic sollte nun über 42 Rettungsboote, 2 Notfallboote, sowie 2 Kutter, die mit einer Funkanlage ausgerüstet waren, verfügen. Dieses Konzept wurde aber mit Indienststellung als Hospitalschiff nur abgeändert verwirklicht), wurden bei der Britannic eine ganze Reihe von Neuerungen eingebaut, die nach über drei Jahren der Indienststellung der Olympic nötig geworden waren und sich auf das äußere Erscheinungsbild der Britannic nachhaltig auswirkten:

  • Die erste Klasse erhielt im Bereich der vorderen, großen Treppe nun Aufzüge, die bis zum Bootsdeck hinauf reichten. Das Gehäuse für die Aufzugsmotoren (äußerlich sichtbares Merkmal dieser Verbesserung) stand auf dem Dach vor der großen Kuppel.
  • Die erste Klasse erhielt auf dem Bootsdeck backbords ein Kinderspielszimmer (gegenüber dem Gymnastikraum); die auf der Olympic und Titanic freie Fläche verschwand. Dadurch erhielt der vordere Aufbau eine fast symmetrische Form.
  • Offensichtlich plante man auf der Britannic die Verlegung des zentralen Kompasses vom Kompassturm mittschiffs nach vorne zum Dach der Kommandobrücke. Zweifelsfrei wurde der Kompassturm errichtet und betrieben, da die Kompassstation auf dem Dach der Kommandobrücke zum Zeitpunkt der Jungfernfahrt (jetzt als Hospitalschiff) noch nicht funktionsfähig war. Es darf aber bezweifelt werden, dass die Britannic endgültig mit zwei Kompassstationen betrieben worden wäre. Die Tests wurden aber anscheinend mangels Fertigstellung nie abgeschlossen. Die Vorteile der Station auf dem Dach der Kommandobrücke waren klar: Sie wäre für die Nautiker schneller erreichbar und der Bereich der ersten Klasse von einer weiteren betrieblichen Einrichtung des Schiffes befreit gewesen. Zumindest auf dem originalen „Rigging-plan“ (Takelageplan) der RMS (!) Britannic fehlt der zentrale Kompassturm.
  • Der vordere Bereich der A-Deckpromenade war wieder verglast, allerdings mit deutlich höheren Fenstern, wie auf der Titanic, was dem Aussehen sehr zuträglich war. Die beiden Elektrokräne achtern auf dem A-Deck wurden nicht mehr installiert, da die beiden Ladeluken Nr. 4 auf dem B-Deck nicht mehr in der bisherigen Ausführung eingebaut wurden;
  • Auf dem vorderen Viertel des B-Decks erhielt die erste Klasse wieder eine verglaste Promenade, dahinter waren die Luxussuiten geplant (Fenster gleiche Ausführung wie auf den A-Deck).
  • Das Cafe Parisian sollte auf der Britannic wohl nicht mehr verwirklicht werden; dafür erstreckte  sich das A la carte-Restaurant über die gesamte Schiffsbreite.
  • Äußerlich änderte sich für die zweite Klasse der Eingangsbereich auf dem Bootsdeck: Die bislang seitlich gelegenen Eingänge wurden nach achtern verlagert. Gleichzeitig wurde der Aufbau Richtung Bug bis zum erhöhten Dach des Rauchsalons verlängert.
  • Auf den achteren Welldeck (C-Deck) war im Bereich der Luke Nr. 5 an der Steuerbordseite ein Gymnastikraum für die zweite Klasse geplant.
  • Umfangreiche Änderungen erhielt auch die dritte Klasse, die nun begann, sich von einem Zwischendeck für Auswanderer in eine Klasse mit eigenem „Basiskomfort“ zu verwandeln: Das achtere Welldeck wurde überdacht, so dass die Dritte-Klasse-Passagiere  nun auch über eine wettergeschützte (wenn auch düstere) Promenade verfügten.
  • Das Poop-Deck erhielt einen großzügigen Aufbau, der den Rausalon der dritten Klasse sowie Treppenhäuser beherbergte. Das Dach dieses Aufbaus wurde seitlich bis an die Bordwand vorgezogen, so dass auch hier eine überdachte Promenade geschaffen wurde. Die bis dato auf dem freien Poop-Deck der Olympic-Klasse vorhandenen Decksbänke verschwanden und hätten auch nicht mehr auf dem Dach des Rausalons realisiert werden können, da die Rettungsbootstation den kompletten Raum eingenommen hätte (beim Hospitalschiff nicht realisiert). Die Dockbrücke wurde ebenfalls auf dieses Dach verlegt.

Diese Umbauten im Heckbereich der Britannic führten neben den Gantry-Davits zu der massivsten Beeinträchtigung der Silhouette der Olympic-Klasse. Das bislang harmonischen Gleichgewicht zwischen zentralem Aufbau mit gleichmäßig verteilten Schornsteinen und freiem Bug- und Heckbereich wurde nun stark hecklastig. Die heute noch bewunderte yachtenähnliche Silhouette der Olympic-Klasse musste den neuen Prioritäten geopfert werden und ist ein Beispiel dafür, wie unflexibel mitunter ein abgeschlossenes Konstruktionskonzept gegenüber Veränderungen sein kann. Die Ausführung vieler Änderungen sehe ich aus rein ästhetischen Gesichtspunkten heraus als gescheitert an. Allerdings bin ich mir sicher, dass es sich die Werft sicherlich nicht einfach gemacht hat, die nötigen Änderungen „unterzubringen“.  Eine bessere Lösung fand man wohl nicht. Hier stieß Carlisles Entwurf der Olympic-Klasse endgültig an ihre konzeptionellen und technischen Grenzen. Eine vierte Generation dieser Schiffsklasse wäre vor dem Hintergrund der geänderten Anforderungen kaum vernünftig zu realisieren gewesen.

Weitere, äußere Änderungen an der Britannic störten das Erscheinungsbild dagegen kaum:

Die Wände der Luken zwei und drei auf dem vorderen Welldeck wurden bis zum B-Deck hochgezogen. Der Raum zwischen den Luken wurde für Treppenhäuser der dritten Klasse genutzt, die nun relativ leicht die freien Decks erreichen konnte. Die Messe der Ingenieure auf dem Bootsdeck wurde von Steuerbord- auf die Backbordseite verlegt. Der Palmengarten auf dem A-Deck wurde leicht nach achtern verlegt, so dass die Rückwand nach achtern in einer geraden Linie verlief. Die darüber liegende achtere Kante des Bootsdecks verlief daher ebenfalls gerade, da die beiden Elektrokräne auf dem A-Deck nicht mehr benötigt wurden.

Die Lüfterlandschaft auf den Decks wurde spürbar verändert und neuen Erfordernissen angepasst.

Ich möchte an dieser Stelle natürlich noch einmal deutlich machen, dass ich hier nur die für die Modellbauer interessanten, wesentlichen Änderungen wiedergegeben habe. Viele weitere Details (z.B. im Innenausbau) interessieren uns hier nicht.

Recherchen

Die für den Bau der RMS Britannic nötige Recherche gestaltete sich äußerst schwierig, und das aus mehreren Gründen:

  • Fast alle Fotos zeigen naturgemäß das Hospitalschiff. Aufnahmen des Liners geben meist den Rohbauzustand wieder.
  • Viele Fotos sind von sehr schlechter Qualität (licht- und kontrastarm), so dass Details kaum zu erfassen sind.
  • Baupläne, vor allem der Linerversion, waren mir nur bruchstückhaft zugänglich. Darüber hinaus waren sie auch noch widersprüchlich. Beispiel: Zwei undatierte Deckspläne zeigen das hintere Welldeck einmal mit Gymnastikraum für die zweite Klasse, einmal aber ohne.
  • An vielen Stellen ist völlig unklar, wie die Linerversion in Fahrt gekommen wäre, da für die Indienststellung als Hospitalschiff hektisch viele Änderungen vorgenommen wurden, die mehr als nur provisorischen Charakter hatten: Mittschiffs wurden insgesamt 12 Boote mit Wellin-Davits aufgestellt. Dafür wurde die vorderste Rettungsbootstation nur auf der Steuerbordseite verwirklicht. Auf dem Dach des Rauchsalons der dritten Klasse beschränkte man sich auf das Aufstellen von zwei Booten an herkömmlichen Davits. Viele Fenster auf den oberen Decks waren nicht vorhanden oder wurden wieder verschlossen. Viele Lüfter wurden geändert (meist reduziert) aufgestellt. Dagegen wurden andere Belüftungseinrichtungen zusätzlich hinzugefügt: Beispielsweise wurden auf dem erhöhten Dach der Salons Oberlichter eingebaut, die es beim Liner mit Sicherheit nicht gegeben hätte (dies ist ja auch klar: man stelle sich den infernalischen Gestank aus einer Mischung von menschlichen Exkrementen, Blut, Eiter, Schmutz und Desinfektionsmitteln vor, welchen Hunderte oder Tausende verwundeter Soldaten an Bord erzeugten, gepaart mit der erstickenden Hitze des Mittelmeers. Für einen solchen Einsatz waren die Liner nicht konzipiert. Daher mussten weitere Belüftungsmöglichkeiten geschaffen werden, egal wie).
  • Dafür gibt es im Internet eine Fülle von Zeichnungen und Bildern (auch von Modellen), die die Ergebnisse von persönlichen Recherchen widerspiegeln. Leider zeigte sich in vielen Fällen auch hier die Unbrauchbarkeit, da sie einen Vergleich mit der Realität (wenn möglich) nicht Stand hielten und eher ein Produkt von Fantasie zu sein scheinen. Selbst weltweit anerkannte und gefeierte Ikonen in der Titanic-Szene müssen sich der „Fälschung“ bezichtigen lassen. Nur ein Beispiel an Hand des (wirklich genialen) Malers Ken Marschall: eines seiner Bilder zeigt die HMHS Britannic von der vorderen Steuerbordseite her in voller Fahrt. Auf dem Luftschacht vor dem ersten Schornstein waren zwei Elektrolüfter installiert. So weit, so gut.  Marschalls Bild zeigt dieses Arrangement, allerdings sind auf diesem Bild die Elektrolüfter mit jeweils noch einem eigenen Ansaugschacht versehen. Die sind beim Werftmodell vorhanden, das Hospitalschiff hatte sie definitiv nicht (für jeden leicht feststellbar). Warum Marschall hier patzt, ist für mich unverständlich, aber Anlass, seine Bilder grundsätzlich misstrauisch einzustufen, wenn sie als Grundlage für eine Rekonstruktion dienen sollen. Künstlerische Freiheit lasse ich hier nicht gelten, da Marschall nach eigenem Bekunden „detailversessen“ sei.

Dennoch war die Recherche nicht ganz hoffnungslos. Es gelang mir letztendlich doch zumindest so viele brauchbare Unterlagen zusammen zu bekommen, um wenigstens die wichtigsten Merkmale der RMS Britannic nachzubilden. Dies hätte ich aber nicht geschafft, wenn ich nicht wieder die bewährte Unterstützung bekommen hätte. An dieser Stelle sage ich daher ein herzliches Dankeschön an Pierre Petri, der mir seine umfangreiche Sammlung an Unterlagen über die Britannic zugänglich machte und mich zeitnah an den jeweils neuesten Ergebnissen seiner Recherchen teilhaben ließ. Viele Stunden verbrachten wir mit der Diskussion um unklare Punkte. Und natürlich herzlichen Dank an Robert Hahn, der mir ebenfalls seine Sammlung von wichtigen Unterlagen über die Britannic zur Verfügung stellte. Dank auch wieder an die Mainzer Englischlehrerin Judith Ertz, die mir die englischsprachige Umbauanleitung von Tom Nicolai ins Deutsche übersetzte. Ohne diese Hilfe hätte ich weder in der Zeit (nur gut ein Jahr) noch in der Detailtiefe dieses Modell bauen können.

Wie schon mehrfach angedeutet konnte ich nicht alle (äußeren) Bereiche des Schiffes lückenlos rekonstruieren. Für einige Stellen fanden sich nur Indizien, an anderen Stellen musste ich willkürliche Annahmen treffen. Diese Stellen im Bau habe ich euch kenntlich gemacht, damit jeder weiß, dass mein Modell nicht hundertprozentig stimmig ist, nicht sein kann. An den Stellen, für die sich lediglich Indizien fanden, dass es so oder so gewesen sein müsste, habe ich in der Baubeschreibung zusätzlich ein Fragezeichen „(?)“ gesetzt. An den Stellen, wo keine Klärung möglich war, ich aber zum Weiterbauen eine Entscheidung treffen musste, habe ich zwei Fragezeichen gesetzt „(??)“.  Damit mache ich jedem Leser kenntlich, was „Original“ und was „Fälschung“ ist. Jeder kann für sich entscheiden, wie weit er meinem Konzept folgen will. Kommen wir nun aber endlich zum Bau der RMS Britannic.

Der Bau

Ähnlich wie beim Bau der Olympic werden für den Minicraft-Bausatz der Titanic im Maßstab 1/350 spezielle Umbausätze angeboten, die leider nicht in Deutschland erhältlich sind. Dies sind im Einzelnen:

  • Spezieller Satz Fotoätzteile (aus Messing) für die Britannic (beinhaltet die Gantry-Davits, Umbauteile für A-, B- und C-Deck, Aufbauten uvm.) sowie eine umfangreiche Umbauanleitung, die leider nicht ganz fehlerfrei ist und auf die Hospitalschiffsversion abgestimmt ist.
  • Spezieller Satz Umbauteile aus Kunstharz. Inhalt: Rettungsboote, Aufbauten. Die Rettungsboote sind schlecht brauchbar, da sie etwas größer sind, wie die Boote des Bausatzes. Ich habe sie daher nicht verwendet.
  • Weiterhin brauchen wir mehrere Sätze Fotoätzteile für die Olympic-Klasse (Treppen, Leitern uvm.).
  • Ein Satz Abziehbilder RMS Olympic, HMHS Britannic und RMS Britannic (zusammen ein Blättchen).

Eine Teileliste mit Bezugsquelle habe ich am Ende des Artikels beigefügt. Zur Schilderung des Baus gehe ich chronologisch vor, und stelle euch jeweils die wichtigsten Aktivitäten vor. Jede Einzelheit kann ich an dieser Stelle leider nicht darstellen, dazu bräuchte ich einen kompletten Navi für mich allein.

Beginnen wir mit dem Rumpf und den unteren Decks. Bereits in dieser Bauphase sind umfangreiche Änderungen vorzunehmen. Beim Teil D1 für das vordere Welldeck sind die Wände der beiden Ladeluken abzusägen (und später durch das entsprechenden Kunstharzteil zu ersetzen). Im hinteren Teil D2 für das achtere Welldeck die beiden Kransockel absägen und die Löcher mit einer geeigneten Kunststoffplatte verschließen. Den Anschlag auf dem Deck für das Teil G36 ebenfalls entfernen (abschmirgeln oder absägen), da die rückwärtige Wand (Teil G36) zum offenen Welldeck bei der Britannic gerade verlief. Jetzt erfolgt bereits die erste Entscheidung: Realisierung des Gymnastikraumes der zweiten Klasse, ja oder nein? Ich habe mich dafür entschieden, weil ich auf einem Foto die schemenhafte Umrisse dieses Raumes zu erkennen glaube (?). Dennoch kann ich es nicht mit letzter Gewissheit sagen, ob dieser Raum verwirklicht wurde. Weiterhin habe ich willkürlich entschieden, drei rechteckige Fenster (??) sowie keine Außentüre einzubauen (??). Beim Anstrich in diesem Bereich (d.h. nur hinteres Welldeck) verzichtete ich auf die übliche halb hohe, rostbraune Lackierung. Ich strich komplett weiß (??).

Der Rumpf wird mit den entsprechenden Messingteilen umgebaut. Zunächst die Fenster und Bullaugen des C- und B-Decks zuspachteln und schleifen. Danach die Messingteile mit Sekundenkleber fixieren. Stoßkanten beispachteln. Wer möchte, sollte jetzt die fehlenden Bordtüren am B-Deck aus dünner Kunststofffolie zurechtschneiden und aufkleben.

Nach der Montage des B-Deckes kann nun die Überdachung des hinteren Welldecks erfolgen.

Tipp: Wer es sich leisten möchte, kann zur Arbeitserleichterung einen zweiten Minicraft-Bausatz zur Gewinnung von Teilen für den Umbau ausschlachten. Das habe ich getan. Vorteil hier: Ich habe aus dem Teil D2 das entsprechende Teil herausgesägt. Es verfügt über die nötigen Ladeluken genauso wie über die Beplankung und passt (wenn exakt gearbeitet wurde) genau in die Lücke. Die Ladeluken auf dem B-Deck sollten exakt über den Luken des C-Decks ruhen. Nicht vergessen, diese mit den Teilen B11 und 12 (Planen) vor dem Einbau des Decks zu verschließen. Stoßkanten spachteln und gut schleifen.

Jetzt kann mit den entsprechenden Messingteilen auch das überdachte Welldeck seitlich verkleidet werden. Bereits in diesem Baustadium hat sich unsere Britannic von ihren Schwestern optisch abgesetzt. Der hintere Decksbereich wirkt nun irgendwie merkwürdig leer und weitläufig.

Jetzt können wir das Kunstharzteil für die vorderen Ladeluken bearbeiten. Prinzipiell sind alle Kunstharzteile durch den Guss etwas höher, so dass wir sie vorsichtig auf das passende Maß herunterfeilen müssen. Der Kunstharz ist sehr spröde, aber lässt sich hervorragend bearbeiten.  Gussgrate können wir mit einem spitzen Bastelmesser leicht abkratzen. Das Anbringen der seitlichen Wellenbrecher nicht vergessen (genaue Detailzeichnungen im Maßstab 1/1 in der Umbauanleitung, sehr gut gemacht). Vor der Montage lackieren.

Weiterer Umbau in Montagestufe 7: Den Eingangsbereich der zweiten Klasse (B-Deck) Richtung Bug verlängern und mit dem Rausalon der zweiten Klasse verbinden. Die in diesem Bereich vorhandenen Ladeluken abschmirgeln und umbauen (Umbau des Teiles J25, rückwärtige Wand des Rauchsalons). An den beiden Seiten der Umbauung befanden sich je eine Flügeltür, nach achtern im oberen Viertel zwei kleine Belüftungsöffnungen. Das darüber liegende Promenadendeck muss entsprechend angepasst werden. Die Umbauanleitung enthält einen 1/1-Plan.

Recht kompliziert wird es nun in der Baustufe 9 (Aufbauten des A-Decks). Das Problem ist nicht nur der Umbau dieser Teile zur Britannic, sondern die Teile stimmen schon nicht für den Bau der Titanic. Wir müssen also auch die Teile so korrigieren, dass die Aufbauten, die sich nicht zwischen Titanic und Britannic unterscheiden, stimmen (siehe auch Hahn’s Titanic-Plan 1/350).

  • Brückenfront (Teil J39): Zwei Rechteckfenster zuspachteln (von Steuerbord gezählt das zweite und fünfte).
  • Bugseitige Abschlusswand A-Deckaufbau (Teil J9): Rechteckfenster zuspachteln (von Steuerbord gezählt: das zweite,  vierte, siebte und neunte).
  • Der Bereich der A-Deckaufbauten zwischen den Salons und der hinteren, großen Treppe der ersten Klasse muss den tatsächlichen Ausführungen angepasst werden (der freie Raum der Promenade war in Wirklichkeit viel größer, wie beim Modell), siehe auch Hahn´s Titanic-Plan 1/350.
  • Tiefgreifende Umbauten im Bereich des Rauchsalons der ersten Klasse (leider nicht im Nicolais Umbauplan ausgeführt): Zunächst die Backbordseite. Den hinteren Erker des Rausalons heraussägen und durch einen rechteckigen Erker, der das Bootsdeck durchbricht, ersetzen (vier hohe Fenster in der Länge, jeweils ein hohes Fenster an den Seiten. Den zweiten Erker entfernen und durch eine gerade Wand (mit vier Fenstern) ersetzen. Steuerbordseite: ebenfalls den hinteren Erker durch einen rechteckigen Erker (wie backbordseitig) ersetzen. Zusätzlich ist die Erhöhung des danebenliegenden Erkers abzusägen, da der Aufbau in diesem Bereich bei der Britannic nicht erhöht war. Den zweiten Erker ebenfalls durch eine gerade Wand mit vier Fenstern ersetzen.
  • Palmengarten: War bei der Britannic nach achtern verlagert, so dass die rückwärtige Front eine gerade Wand bildete (d.h. die beiden Erker des Palmgartens nach achtern verschieben). Die Lücke mit einer fensterlosen Wand verschließen (Verlängerung des Erkervorsprungs).
  • Im Bereich der vorderen Niedergänge von der Brücke zum A-Deck den jeweiligen Windschutz anbringen: Die Wand enthielt je eine Tür und ein Fenster.

In Baustufe 10 ist das Bootsdeck anzupassen:

  • Heckseitige Aussparungen für die fehlenden Elektrokräne verschließen (gerade Deckskante nach achtern).
  • Aussparungen für die beiden rechteckigen Erker des Rauchsalons fertigen (hier sollte absolut exakt gearbeitet werden, da dieser Bereich bei unserem Modell gut einsehbar ist).
  • Deckslücke auf der Steuerbordseite im Bereich des Rauchsalons schließen.
  • Der unter dem Bootsdeck liegende Schreibsalon war  bei der Britannic Richtung Bug verkürzt (er endete genau neben dem runden Erker). Die Aufbauerhöhung muss gekürzt und die somit im Bootsdeck vorhandene Öffnung verschlossen werden (hier befindet sich ja nun das Kinderspielszimmer). 
  • Bohrungen für die Schornsteinabspannungen ändern (sind im Umbauplan von Tom Nicolai vermerkt): Für den ersten und zweiten Schornstein zuspachteln. Für den dritten Schornstein unverändert. Bei dem vierten Schornstein bis auf jeweils zwei Bohrungen alle zuspachteln und zwei neue Löcher bohren.
  • Nach dem Einziehen der Stage kann das Deck montiert werden.
  • Aussparungen für die Rettungsbootteile verschließen.

Baustufe 10 – weitere Umbauten:

Umbau der seitlichen A-Deckverkleidungen. Zunächst die Ismay-Fenster gemäß Umbauplan heraussägen. Der Umbauplan schlägt nun vor, vor dem Anbringen der Messingteile fast sämtliche Streben der offenen Promenade abzuschneiden. Davon rate ich dringend ab. Besser ist es, die Streben erst nach dem Verkleben der Messingteile zu entfernen, da die genaue Passform der Verkleidung (die muss ja millimetergenau zu dem A- und dem Bootsdeck passen) nur mit den Originalstreben sichergestellt ist. Wird diese Aktion dennoch vorher gemacht, dann verliert dieses Teil seine Stabilität. Nach dem Verkleben können die Verstrebungen mit einem Bastelmesser leicht herausgeschnitten werden. Anschließend die Promenadendeckverkleidung um ein Segment nach achtern verlängern (auch hier ein großer Vorteil, wenn wir einen zweiten Bausatz ausschlachten, um das nötige Teil zu gewinnen). Die Messingverkleidung gibt die nötige Verlängerung korrekt vor.

Nicht vergessen, vor der Montage die obere Hälfte der Roten Kreuze der A-Deckverkleidung abzusägen (bei der Linerversion). Aber Vorsicht: zwar sind die Messingteile recht dünn, aber unglaublich zäh. Daher muss sehr vorsichtig gesägt werden, um die Teile nicht irreparabel zu verbiegen. Damit man eine glatte Kante hinbekommt, empfehle ich eine Puk-Säge (mit möglichst neuem Sägeblatt!) zu benutzen, da sie ein breiteres Sägeblatt hat, als eine Laubsäge.

Ebenfalls nicht vergessen: die vorderen Fenster mittels Klarsichtfolie verglasen! Wer möchte und die entsprechenden Teile hat, kann die kleinen Kranausleger (zur Öffnung der Aschekästen) anbringen. Pläne zur Positionierung liegen uns vor, können aber auch auf einigen Fotos recht gut erkannt werden. Nach dem Einbau der Verkleidungen hat unsere Britannic nun ihre unverwechselbare Silhouette erhalten!

Auf dem Bootsdeck zuerst die Kransockel der Gantrydavits gemäß Umbauplan anbringen (besonders wichtig im Bereich des vordersten Aufbaus, da die Antriebsmechanik der Davits in den Aufbau hineinreichten. Hier müssen die Wände geöffnet werden).

Besondere Umbauhinweise:

  • Die seitlichen Verkleidungen der Kommandobrücke bis in Höhe der hinteren Brückenwehr verlängern.
  • Teil J30 (Front des Ruderhauses) durch eine gerade Wand ersetzen (Fehler des Bausatzes).
  • Hinter der Empfangshalle die backbordseitige Wand entfernen und in gleicher Flucht zur Wand der Offiziersunterkünfte die Wand für den Kinderspielraum anbringen. Bei den Fotoätzteilen ist eine entsprechende Wand beigefügt, deren Verwendung ich aber nicht empfehle, da die messerscharf ausgeführten Fensteröffnungen absolut nicht zu der Ausführung aus Kunststoff passen. Ich habe aus einem zweiten Bausatz die Wand für den Gymnastikraum verwendet. Die Eingangstür (eine!) mit Wetterschutz (Lage spiegelbildlich zur Steuerbordseite) nicht vergessen.
  • In die beiden Seitenwände (Teile H10 und H11) die Öffnungen für die Antriebsmechanik schaffen. Dabei nicht vergessen, diese Öffnungen mit innenliegenden, seitlichen Wänden auszustatten.
  • Die beiden Elektowinschen (Teile G13) weglassen.
  • Umfangreiche Änderung auch in der Lüfterlandschaft auf diesem Deck. Es würde allerdings zu weit führen, jede Anpassung hier zu schildern. Eigene Pläne nach Fotoauswertungen liegen uns vor.
  • Leicht nach Steuerbord versetzt, vor dem Kuppelgehäuse über dem Treppenhaus der ersten Klasse den Aufbau für die Aufzugsmotoren anbringen (je ein Bullauge an den Seiten und zwei Richtung Bug nicht vergessen). Auf diesem Dach einen kleinen Sauglüfter anbringen.

In Baustufe 18: Das Dach über den Salons anpassen (Dach über dem Schreibsalon kürzen). Löcher für die fehlende Kompassplattform zuspachteln (Wie Eingangs erwähnt habe ich mich entschlossen, die Plattform in der Linerversion nicht zu realisieren). Zwei Löcher für die Schornsteinabspannungen bohren (gemäß Umbauanleitung).

Die auf diesem Dach anzubringenden Lüfter gemäß „Hahn´s Titanic-Plan anbringen (ich habe keine Hinweise gefunden, dass in der Linerversion in diesem Schiffsbereich prägnante Änderungen vorgenommen wurden). Der Bausatz ist hier fehlerhaft!

Das große Rohr (Teil G12) zwischen Kuppelgehäuse und erstem Schornstein weglassen.

In der Baustufe 19 die Kompassplattform weglassen (??).

Baustufe 20 (Aufbau unter dem dritten Schornstein): Das Dach nach achtern verlängern und mit dem Dach des Tankhauses verbinden.  Vorher aber das kleine Treppenhaus (hinunter zum Maschinenraum) entfernen und durch ein deutlich größeres ersetzen. Der nun zwischen diesen beiden Aufbauten vorhandene Zwischenraum ist sehr knapp und nicht mehr geeignet, die auf dem Deck platzierte Technik (Lüfter und Heißwassertank) aufzunehmen (nach Hahn´s Titanic-Plan). Mangels Platz und der Erkenntnis, welche Technik hier bei der Britannic eingebaut war, habe ich die Installation zwischen den Aufbauten bis auf einen Heißwassertank unterlassen (??).

Baustufe 21 (Tankhaus): Auf der Backbordseite Richtung Bug zweites Bogenfenster einbauen. Teile H27 und H12 (Seitenwände) vertauschen, da die Ingenieursmesse auf der Britannic auf der Backbordseite war. Heckseitiges Bogenfenster auf der Seitenwand der Messe zuspachteln.

Tipp: Bevor wir das Dach montieren, sollten wir zusätzlich die Wände für den Maschinenraumschacht einbauen, da dieser Bereich durch die großen Dachluken leicht einsehbar ist. Den Boden schwarz streichen, um „Tiefe“ zu erzeugen.

Baustufe 23: Auf der Backbordseite des Aufbaus unter dem vierten Schornstein den Hundezwinger anbringen.

Den Aufbau auf der Steuerbordseite nach unten verlängern, da der Rauchsalon auf der Steuerbordseite nur zur Hälfte erhöht war. Achtern des Aufbaus eine kleine Erhöhung auf dem Dach des Rauchsalons anbringen (ähnlich der Ausführung der Erhöhung auf dem mittschiffs gelegenen Dach der Salons). Abgasrohr für den Kamin des Rauchsalons nicht vergessen. Alle Lüfter auf dem Dach des Aufbaus weglassen. Ich habe keine auswertbaren Pläne oder besser Fotos gefunden, die diesen Bereich abdecken. Für eine komplexe Lüftertechnik wie bei Olympic und Titanic zur Belüftung des Turbinenraumes wäre durch das noch anzubringende Rettungsbootarrangement gar kein Platz gewesen!

Die großen (Wasser- oder Dampf-?)Leitungen außenliegend an den Schornsteinen unterschieden sich ebenfalls von der Anordnung auf der Titanic. Eigene Skizzen über die Anordnung nach Auswertung entsprechender Fotos liegen uns vor.

In Baustufe 24 ist der Aufbau für den Eingang der zweiten Klasse umzubauen:

  • Seitliche Wände bis zum erhöhten Dach des Rauchsalons verlängern.
  • Seitliche Eingänge sowie die beiden Bogenfenster entfernen.
  • Den Wetterschutz dieser Eingänge (auch auf dem Dach) ebenfalls entfernen.
  • Je ein Bogenfenster im hinteren Drittel der Seitenwände einbauen.
  • Eine Flügeltür heckseitig zwischen die beiden großen Luftschächte einbauen, das darüber liegende Dach Richtung Heck verlängern (als Wetterschutz). Bündiger Abschluss mit den Luftschächten.
  • Die beiden kleinen Saugdrehlüfter (Teile G7) durch einfache, aber verlängerte Sauglüfter ersetzen.
  • Gemäß Plan die Aufbauten für die Antriebsmotoren der Gantrydavits montieren.
  • Umbau des Poop-Decks (Baustufe 45):
  • Sockel für die Dockbrücke entfernen.
  • Die beiden Luken über der Rudermaschine sowie die beiden Elektrokräne auf dem Deck positionieren (aber zunächst ohne zu kleben!). Dazwischen den Aufbau des Rauchsalons der dritten Klasse genau austarieren (dies ist immens wichtig, da es passieren kann, dass nach der Montage des Daches kein Platz mehr für die Kräne vorhanden ist).
  • Das Kunstharzteil entsprechend passend zurechtfeilen die beiden Messingteile (Seitenwände des Rauchsalons mit Fenster und Türen) aufkleben.
  • Fehlende Treppenhausgehäuse nachbauen: ein Niedergang fehlt auf der Bugseite des Rauchsalons, einer stand auf isoliert auf dem Deck backbords neben dem Rauchsalon, und einer heckseitig, nach hinten abgeschrägt (folgt dem absteigendem Lauf der Treppe).
  • Nun ist das Dach zu fertigen. Tipp: Zunächst habe ich eine Pappschablone angefertigt, und zwar mit einem kleinen Übermaß. Mit dieser Schablone ein Deck aus Kunststoff ausschneiden und anpassen. Achtung: Da das bugseitige Treppenhaus im Plan fehlt, muss das Deck entsprechend nach vorne verlängert werden. Der Umbauplan ist hier leider fehlerhaft. Vorsicht, dass die beiden Elektrokräne dann noch in die Aussparung passen. Unbedingt vor dem Verkleben testen! Der verfügbare Platz ist sehr knapp.
  • Seitliche Deckstützen aus Messing für die Promenade anbringen.
  • Auf dem Dach die Stützen für die Dockbrücke, sowie die beiden Gehäuse für die Motoren der Gantrydavits nach Plan anbringen (auf diesen Dächern ruhte auch die Dockbrücke).
  • Auf Fotos fand ich lediglich Hinweise für einen einzigen, langen Drucklüfter (ist auf vielen Fotos zu erkennen). Die Olympic und Titanic hatten auf dem Poop-Deck eine Fülle von Drucklüftern stehen. Wie deren Belüftungsleistung nun auf der Britannic ersetzt wurde, ist mir nicht bekannt. Zu sehen sind jedenfalls keine.
  • Die Messingteile für das Leichenschauhaus (welches ganz am Heck stand) benötigen wir für die Linerversion nicht.

Jetzt ist es an der Zeit, das recht komplizierte Rettungsbootarrangement nachzubauen. Beginnen wir ganz vorne bei den Offiziersunterkünften.

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Zunächst sind die Laufschienen für den Antrieb der Gantrydavits zu montieren. Diese sind bei den Fotoätzteilen bereits beigefügt, meiner Meinung nach sind sie aber nicht zu gebrauchen. Sie sind einerseits zu kurz und zu breit. Daher habe ich mir im Fachhandel Kunststoffschienen im „U-Profil“ zugelegt, die wesentlich authentischer wirken. Darauf achten, dass  die Laufschienen des jeweils letzten Davits auf dem Bootsdeck auf einem Sockel montiert werden muss, da die jeweils bugseitige Schiene auf dem erhöhten Dach des Rauchsalons ruht.

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Nach dieser Arbeit können die Rettungsbootgestelle gefaltet und zusammen gebaut werden.

Tipp: die Messinggestelle am Besten über einer scharfen Kante biegen, da sie ansonsten beim Biegen leicht „wellig“ werden. Leider fehlt im Messingteilesatz das Rettungsbootgestell für die dritte Klasse achtern. Da ansonsten genügend Gantrydavits vorhanden sind (die Linerversion hatte ja drei Paare mehr) gehe ich davon aus, dass einfach kein Platz mehr auf dem Messingbogen war und Tom Nicolai die entsprechenden Teile weggelassen hat. Schade. Aber Jammern hilft nicht. Also entweder einen zweiten Messingteilesatz nachkaufen (sehr teuer) oder selber nachbauen. In diesem Fall habe ich mich für einen Nachbau entschieden. Zunächst experimentierte ich mit verschiedenen Methoden, dieses filigrane Gestell herzustellen. Erst im zweiten Anlauf gelang mir ein zufriedenstellendes Ergebnis. Ich verwendete 1mm breite Kunststoffleistchen, die ich mit Sekundenkleber einzeln zusammenklebte.  Meine anfängliche Befürchtung, das Material sei zu weich und nachgiebig, bestätigte sich nicht. Immerhin nimmt das Gestell die gesamte Breite des Schiffes in Anspruch. Die geplante Verstärkung der breitseitigen Träger auf der Unterseite mit einer hauchdünnen Stahlstange war nicht nötig.

Jetzt beginnen wir mit der Montage aller Boote. Wie schon erwähnt, sind die zusätzlichen Boote aus Kunstharz deutlich größer, als die Plastikboote des Bausatzes. Eine Mischung aus beiden Varianten ist daher nicht möglich. Um 42 gleiche (Plastik-)Boote zu erhalten, schlachtete ich noch einen dritten Bausatz aus (den ich als „Reservebausatz“ eingelagert hatte, na ja, der Mensch ist auch irgendwie Jäger und Sammler geblieben). Die Motorkutter aus Kunstharz sind sehr gut verwendbar. Beide Hälften vor dem Verkleben gut schleifen. Der hintere Kiel mit Ruder sollte noch nachgebaut werden, ebenso die beiden (herunter klappbaren) Maste für die Funkanlage. In Simon Mills neuem Buch „Hostage to fortune“ ist ein sehr schöner Plan dieser Kutter vorhanden. Leider konnte ich die abschließende Farbgebung für diese Kutter (der Linerversion) nicht eindeutig klären. Ich entschied mich für weißen Rumpfanstrich mit holzbraunen Aufbauten (??), sowie einer hellgrauen Abdeckplane mittschiffs.

Alle Boote können nun auf ihre Plätze geklebt werden.

Jetzt wird es an den Rettungsbootplätzen eng. Das Gesamtkonzept des Rettungsbootarrangements sah vor, dass die Passagiere und Besatzungsmitglieder erst in die Boote einsteigen sollten, und danach würden die besetzten Boote gefiert werden. Damit man auch alle Boote auf ihren Plätzen erreichen konnte, war ein umfangreiches und kompliziertes System aus Treppen, Leitern und Plattformen nötig. Die endgültige und komplette Ausführung dieser Einrichtungen ist mir unklar geblieben, selbst die Fotos der Hospitalschiffversion geben nicht allzu viele Details her. Daher richtete ich mich einerseits an Fotos des Werftmodells und an Fotos des Hospitalschiffs: die unterste Reihe der Boote konnte über eine längsseitige Plattform erreicht werden (an der Oberkante der Boote), über Leitern erreichte man jeweils die darüber liegende Plattform für ein Bootspaar. Die dritte „Etage“ bestand aus einer kleinen Plattform an den beiden Ende der Boote (beidseitig). Hier bewegte sich man aber schon in ziemlich schwindliger Höhe. Beim Untergang der HMHS Britannic bewährte sich allerdings dieses Konzept bestens.

Diese recht komplexe Einrichtung könnt ihr an Hand meiner Fotos erkennen. Wie gesagt: Mein konzeptioneller Ansatz dieser Konstruktion im Modell. Wie es tatsächlich ausgesehen hätte, kann ich nicht abschließend sagen.

Folgende Reihefolge bei der Montage empfehle ich, damit sich die Aufbauten nicht gegenseitig behindern:

  • Montage der Laufschienen;
  • Montage der Rettungsbootgestelle;
  • Einbau der Boote
  • Montage der Plattformen;
  • Einbau der Leitern;
  • Montage der Relingteile an den Plattformen.
  • Montage und Einbau der Gantrydavits.

Diese Davits sind in ausreichender Zahl vorhanden. Sie lassen sich problemlos biegen, ein Misslingen ist fast ausgeschlossen. Mittels kleiner Welle (habe ich aus einem kleinen Draht gewonnen) die Davits mit den Sockeln verbinden. Leider zeigt sich hier ein Konstruktionsfehler von Nicolais Teilen: Sockel und Davits passen nicht über- bzw. ineinander, da beide Teile das gleiche Maß aufweisen. Diesen Fehler können wir leider nicht beheben. Die Lösung  besteht lediglich darin, die Davits auf den Sockeln leicht versetzt zu montieren. Dies stellt aber nur einen kleinen Schönheitsfehler dar.

Wenn diese Arbeit erledigt ist, dann ist das „Schlimmste“ geschafft. Es fehlen jetzt nur noch die Reling und die Takelage, die sich vor allem beim hinteren Mast von der Olympic und Titanic unterschieden. Auch diese Unterschiede sind auf vielen Fotos (vor allem beim Riggingplan) gut zu erkennen.

Jetzt geht es jetzt noch um die Frage, wie die beiden Notfallboote auf der RMS Britannic realisiert worden wären. Das Hospitalschiff hatte keine derartige Einrichtung. Auch hier müssen Fotos des Werftmodells herhalten (sehr schön zu sehen im Kapitel der Britannic des Buches „Lost Liners“). In der Flucht der vordersten Gantrydavitpaare hängt jeweils ein Boot an herkömmlichen Davits, die außenbords an der A-Deckverkleidung angebracht sind (ähnlich der Konstruktion bei Lusitania und Mauretania). Genauso habe ich es auch im Modell realisiert. Die Notfallboote des Bausatzes sind mit einer Plane versehen, die ihr aber entfernen solltet. Diese Mühe plus das Anbringen der Sitzbänke lohnen sich optisch auf jeden Fall. Als Davitpaare habe ich die herkömmlichen Plastikdavits des Bausatzes (jeweils die Davits an den Enden einer Rettungsbootreihe der Teile H1, bzw. 8, 9 oder 25) ausgeschlachtet. Mit den entsprechenden Teilen der Fotoätzteile können die Flaschenzüge, und mit feiner Kupferlitze weitere Taue an den Davits nachgebildet werden.

Auf das Aufstellen von Decksbänken und das Anbringen von Rettungsringen habe ich bei dem Werftmodell bewusst verzichtet, da es sich klar um „bewegliches“ Mobiliar handelt, deren vorläufige Gestaltung erst vor Beginn der Jungfernfahrt klar wurde. In vielen Bereichen der Britannic war es nun gar nicht mehr möglich, diese Bänke in der vollen Zahl wie bei den älteren Schwestern aufzustellen: Das Poop-Deck war genauso mit Rettungsboottechnik vollgestellt, wie der Bootsdeckbereich der zweiten Klasse. Hier hätte ich gänzlich meiner Fantasie freien Lauf lassen müssen. In diesem Punkt schien mir das nun gar nicht angebracht, weil es auch völlig überflüssig war. Gleiches gilt für das Weglassen der Segeltuchplane, die an der Reling auf dem Dach der Kommandobrücke angebracht war, um die Kompasseinrichtung vor Wind und Wetter zu schützen. Auf Fotos und auch auf Werbeplakaten ist diese Plane generell zu sehen. Viele Modellbaufreunde haben diese Plane allerdings kräftig missdeutet, und die Reling als massive Wand gebaut. Selbst beim Fotoätzteilesatz für die Britannic ist diese Reling als massive Messingwand ausgeführt (bitte nicht verwenden).

Zuletzt noch einige Hinweise für unsere Modellbaufreunde, die nun vielleicht die Motivation verspüren, sich an diesen Bau heranzumachen. Ich habe vor über drei Jahren begonnen, die Olympic-Klasse komplett nacheinander zu bauen (in chronologischer Reihenfolge). Der (Um-)Bau der Olympic stellte schon eine gewisse Herausforderung dar, der Bau der Titanic insofern, weil mit Verwendung der Pläne von Robert Hahn das Schiff relativ exakt nachgebaut werden kann (was sehr viele Um- und Eigenbauten zur Folge hat, da der Bausatz vom Vorbild an vielen Stellen mehr oder weniger stark abweicht), der Bau der Britannic allerdings stellt schon sehr hohe Anforderungen an die handwerklichen Fähigkeiten im Modellbau. Die Gefahr des Misslingens ist hier sehr groß, wenn mit zu wenig Erfahrung an die Sache heran gegangen wird, zu dem wird durch das relativ teuere Zubehör die Haushaltskasse stark belastet (siehe Materialliste). Daher empfehle ich, wenn noch nicht geschehen, sich zunächst mit dem Bau der Olympic oder Titanic zu beschäftigen, um die Tücken und Hürden beim Bau der Britannic kennen und besser lösen zu lernen. Obwohl der Bau der Britannic wesentlich komplizierter ist, als der ihrer älteren Schwestern, habe ich kaum mehr Zeit gebraucht. Ein Indiz für die gewonnene Erfahrung

Wer sich aber für den Bau des Hospitalschiffes entscheidet, sieht sich noch größeren Hürden ausgesetzt: Zunächst ist die Lackierung des Modells wesentlich aufwändiger (durch den weißen Rumpf müssen alle Bullaugen dunkelgrau angemalt werden; die Aufbauten des Oberdecks waren teilweise zweifarbig). Die Decks waren vollgestellt mit allerlei Zubehör (Rettungsflöße, Kisten und Behälter unterschiedlichster Art), mittschiffs fanden sich noch zusätzliche Wellin-Davits, auf  einigen Oberdecks sind die Gestelle für Sonnensegel anzubringen, viele Fenster sind zu verschließen, Oberlichter einzubauen, und vieles mehr.

Aber gleich für welche Version ihr euch entscheidet: alle Mühsal (und auch Rückschläge) werden letztendlich durch ein wirklich hochinteressantes, komplexes und repräsentatives Modell belohnt, welches die Blicke von interessierten Betrachtern auf sich zieht. In diesem Maßstab lässt sich schon einiges an Details verwirklichen. Interessant auch die Erkenntnis, das viele (unkundige) Betrachter von der Existenz der zweiten Schwester der Titanic überrascht sind (die Titanic kennen alle, die Olympic wenige, die Britannic praktisch keiner). Und das hat nun die unglückliche Schwester wahrlich nicht verdient. Insofern ist der Titel des Mills-Buch „Hostage to fortune“ durchaus passend: „Geisel des Schicksals“. Und das ist sie bis heute in ihrem Grab.

Bezugsquellen

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Baumaterial

Bezugsquelle

Cirka Preis (zum Zeitpunkt des Baus des Modells)

Bausatz Minicraft „RMS Titanic“ 1/350, de luxe

Fachhandel (Vertreiber: Fa. Preiser), BestNr. 11315

89,-€

Bausatz Minicraft „RMS Titanic“ 1/350, Standard (zum Ausschlachten)

Fachhandel (Vertreiber: Fa. Preiser)

BestNr. 11312

69,- €

Britannic resin parts

(Aufbauten, Boote)

Internet: www.titanic-model.com

35,-$

Britannic brass set

Internet: www.titanic-model.com

45,-$

Britannic upgrade brass set

Internet: www.titanic-model.com

10,-$

Fotoätzteile Olympic/Titanic

Gold medal models

1/350 Titanic/Lusitania to superdetail the Acadamy Titanic ( Reling, Treppen, Leitern, Wanten, Kranhaken usw.)

White ensign models

Gardeners Cottage, Cowarne Court, Lower Eggelton, Ledbury Herefordshire, HR8 2UF, United Kingdom

(oder Internet: www.titanic-model.com)

35,- Pfund

Fotoätzteile Olympic/Titanic

1/350 Gold plus Titanic extra details (Decksbänke, Kranplattformreling Kranstreben, Antennenzubehör usw.)

White ensign models

Gardeners Cottage, Cowarne Court, Lower Eggelton, Ledbury Herefordshire, HR8 2UF, United Kingdom

20,- Pfund

Abziehbilder Olympic/Britannic

Bruce Beveridge, P.O.Box 343, Willow Springs IL, 60480 U.S.A.

5,- $

inkl. Versand

U-Schienen (100x3x3 ), Polystyrol, weiß

Modellbaufachhandel

2,50 €

Platte (50x20x1,5), Polystyrol, weiß

Modellbaufachhandel

5,- €

Platte (50x30x3), Polystyrol, weiß

Modellbaufachhandel

5,- €

Platte (50x30x1), Polystyrol, weiß

Modellbaufachhandel

5,-€

Plexiglasplatte (40x20x1)

Modellbaufachhandel

6,-€

Rundstäbe ( Durchmesser 1mm), Polystyrol, weiß

Modellbaufachhandel

2,50 €

Leistchen (100x1x0,5 ), Polystyrol, weiß

Modellbaufachhandel

2,- €

 

Recherchequellen

Quelle

Bezugsquelle

Cirka Preis (zum Zeitpunkt des Baus des Modells)

Tom McCluskie: Titanic and her sisters (Buch)

Nur noch Antiquariat

25,- €

Robert D. Ballard: Lost Liners (Buch)

Nur noch Antiquariat

Nicht bekannt

Simon Mills: Hostage to fortune (Buch)

Nur noch Antiquariat

50,- €

Longitudinal an deck plans (Harland & Wolff)

 

-

Hahn´s Titanic-Plan 1/350

www.titanic-plan.de

70,- €

Originalfotos

Internet

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Originalpläne

Internet

-

Modellfotos

Internet, teilweise nicht mehr verfügbar